Im Kino: Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille

So richtig viele Lichtblicke gibt es ja nicht im Leben von Mike (Peter Trabner). Geld hat er keins, eine Wohnung bald auch nicht mehr, eine Frau ohnehin nicht. Zumindest nicht wirklich. Eigentlich wäre er ja schon ganz gern wieder mit Claudia (Annette Frier) zusammen. Mit der war er früher sogar verlobt, inzwischen ist sie aber erfolgreiche Ärztin, mit Thomas (Kai Wiesinger) zusammen und will von ihrem Ex nichts mehr wissen. Wäre da nicht die gemeinsame Tochter Hannah (Emma Bading), sie hätte den Kontakt wohl schon vor Jahren abgebrochen. So aber muss sie sich mit ihm arrangieren und auch damit, dass die beiden zu zweit zum Camping fahren. Oder besser: zu dritt. Denn kurz nach der Ankunft muss Mike feststellen, dass Hannah auch ihren bislang verheimlichten Freund Otto (Elvis Clausen) eingeladen hat. Und der ist doppelt so alt wie sie.

Ein Herz für Verlier hat Nico Sommer ja schon immer gehabt. Und auch ein Faible für die zwischenmenschlichen Fallstricke, die sich im Alltag so bieten. Erst erzählte der Regisseur und Drehbuchautor in „Silvi“ von einer 47-Jährigen, die nach dem plötzlichen Eheaus von einem Liebesunglück ins nächste stolpert. Dann ließ er in „Familienfieber“ zwei Ehepaare aneinandergeraten, die nicht nur über ihre jeweiligen Kinder miteinander verbunden sind. Wenn sich der Berliner in seinem fünften Spielfilm einer kaputten Nicht-so-ganz-Familie zuwendet und deren Konflikte aufarbeitet, dann befindet er sich also auf bestens vertrautem Terrain.

Und doch ist „Lucky Loser“ etwas anders als die zwei vorangegangenen Filme. Möglichst authentisch sollten diese sein, viel mit Improvisation arbeiten, insgesamt näher an den Figuren, als wir es meistens aus dem Kino gewohnt sind. Die Dialoge sind diesmal deutlich geschliffener, schärfer, setzen auf pointierten Humor anstatt auf einen beiläufigen. Das wird der eine oder andere eventuell schade finden, da diese Improfilme in der doch recht formelhaften deutschen Kino-Komödien-Landschaft für frischen Wind gesorgt haben. Andererseits: Wenn am Ende ein Film dabei rausspringt, der so gut unterhält wie „Lucky Loser“, bleibt nicht wirklich viel Zeit zum Trauern. An vielen Stellen wird man zu sehr damit beschäftigt sein, über die verrückten Anekdoten und die sich fast immer bescheuert verhaltenden Erwachsenen zu lachen.

Zumal ein Punkt ja geblieben ist: die ausdrucksstarken, mit allerlei Macken behafteten Figuren. Wenn Mike jahrelang seiner Ex hinterhertrauert und auch sonst nichts im Leben auf die Reihe bekommt, weiß man gar nicht, ob man ihn bemitleiden oder anfeuern soll. Trabner hat diese Form des geborenen Verlierers in Sommers letzten beiden Filmen perfektioniert. Ihm gegenüber steht dieses Mal eine bestens aufgelegte und energiegeladene Annette Frier. Dass die Geschichte im Grundsatz recht bekannt ist, ist dann auch weniger tragisch, Humor und Charme machen das mehr als wieder wett. Dazu gibt es ein paar schön politische unkorrekte Szenen, die zwar nur bedingt etwas mit der Handlung zu tun haben, aber dafür sorgen, dass der Mainstream doch noch ein paar Häuser weiter wohnt.

Fazit: Bei „Lucky Loser“ verzichtet Regisseur und Drehbuchautor Nico Sommer auf die bisherigen Improvisationen, der Humor ist pointierter, die Dialoge geschliffener. Das Ergebnis ist zwar weniger ungewöhnlich als die vorherigen Filme, dafür aber witzig und charmant sowie mitreißend gespielt.

Wertung: 7 von 10

Regie: Nico Sommer; Darsteller: Peter Trabner, Annette Frier, Kai Wiesinger, Emma Bading, Elvis Clausen; Kinostart: 10. August 2017


1 Kommentare

  1. […] überschlagen. Was genau bei der Chaosfamilie alles geschieht, das verrät die Komödie „Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille“, die am 10. August 2017 in die Kinos kommt. Wir hatten bei der Premiere während des 35. Filmfests […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*