Im Kino: Es

Das Leben ist einfach nicht mehr dasselbe für Bill Denbrough (Jaeden Lieberher), seitdem sein kleiner Bruder Georgie verschwunden ist. Während seine Eltern sich langsam damit abgefunden haben, dass er nie wiederkommen wird, sucht der 13-Jährige unaufhörlich weiter. Doch Georgie ist nicht das einzige Opfer: Vor allem Kinder sind in der letzten Zeit regelmäßig verschwunden. Wie Bill und der Rest des Loser’s Club – Richie Tozier (Finn Wolfhard), Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer), Beverly Marsh (Sophia Lillis), Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), Stanley Uris (Wyatt Oleff) und Mike Hanlon (Chosen Jacobs) – bald feststellen müssen, ist dies kein Zufall. Vielmehr ist es der blutrünstige Clown Pennywise (Bill Skarsgård), der es auf die Menschen dieser Stadt abgesehen hat.

Es

Verfilmungen von Stephen-King-Büchern, das ist oft mehr schlecht als recht. Aber hier funktioniert es mal wieder. „Es“ ist besser als erwartet, besser als die 1990er Mini-Serie, besser als die meisten Versuche, den Horrorkönig auch in Filmform zu verewigen. Beeindruckend geht es gleich los: Die berühmte Szene, in der Georgie von Pennywise in den Abwasserkanal der Stadt gelockt wird, ist sehr atmosphärisch umgesetzt. Und überraschend brutal. Ansonsten hält sich der Gore-Faktor aber in Grenzen. Insgesamt meidet „Es“ auch unnötige Risiken.

Manchmal würde man sich auch wünschen, Regisseur Andy Muschietti („Mama“) hätte sich noch etwas mehr ausgetobt, das Ergebnis wäre etwas freier, wilder. Furchteinflößende Szenen gibt es schon einige, gerade auch weil sich Bill Skarsgård als würdiger Erbe von Curry erweist. Aber es ist nur wenig dabei, was einen überrascht. Und auch das Design wagt sich nicht über das hinaus, was sich bereits vielfach bewährt hat. Für das große Publikum wird das reichen: „Es“ ist wie „Conjuring“ ein gut gemachter, aber auch sehr konventioneller Genrevertreter für Menschen, die nur alle paar Monate mal einen Horrorfilm sehen wollen.

Was „Es“ jedoch auszeichnet, ist die Verknüpfung mit Coming-of-Age-Elementen. Der Schrecken der Bedrohung wird hier mit dem alltäglichen Schrecken eines Jugendlichen verbunden. Wer bin ich? Was will ich von dieser Welt? Wo ist mein Platz? Der Kampf gegen Pennywise ist gleichzeitig der Kampf gegen das eigene Innere. Das funktioniert gerade aufgrund der Gruppendynamik sehr gut. Man sieht der Horde von Nachwuchsdarstellern einfach gern zu, wie sie gemeinsam durch die Gegend streifen, Momente des Glücks sich mit solchen des Terrors abwechseln. Erinnerungen an „Die Goonies“ oder „Stand by Me“ werden wachen, die großen Klassiker eine sommerlich-abenteuerlichen Teenie-Clique. Das ist an manchen Stellen etwas lang. Insgesamt ist „Es“ aber eine sehr runde Sache. Und so neugierig der erste Teil auf den bereits geplanten zweiten macht, ein bisschen traurig darf man schon sein, dass es dort dann heißt, Abschied von den Kindern zu nehmen.

Fazit: „Es“ wird den zuletzt extrem hohen Erwartungen zwar nicht so ganz gerecht, ist aber doch eine unterhaltsame und kompetente Umsetzung von Stephen Kings Kultroman. Der Horrorpart geht zu sehr auf Nummer sicher, richtet sich eindeutig an ein Massenpublikum. Der Mangel an Überraschungen und echtem Grauem wird durch die sehr charmanten Coming-of-Age-Elemente aber mehr als wett gemacht: Man ist gern mit den Kids unterwegs, wie sie gegen äußere und innere Dämonen kämpfen, dabei sich und die Welt kennenlernen.

Wertung: 7 von 10

Regie: Andy Muschietti; Darsteller: Bill Skarsgård, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard, Jack Dylan Grazer, Sophia Lillis, Jeremy Ray Taylor, Wyatt Oleff, Chosen Jacobs; Kinostart: 28. September 2017


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