Im Kino: Darkland

Die altbekannte Rachegeschichte um Selbstjustiz, neu erzählt in Darkland aus Dänemark.

Es sei das letzte Mal, dass er seine Hilfe brauche, beteuert Yasin (Anis Alobaidi). Aber davon will sein älterer Bruder Zaid (Dar Salim) nichts hören. Zu oft hat er sich diese Geschichte schon anhören müssen. Außerdem haben er und seine hochschwangere Frau Stine (Stine Fischer Christensen) gerade Gäste. Als Yasin am nächsten Tag schwer verletzt im Krankenhaus von Zaid eingeliefert und kurz drauf bereits verstirbt, ist die Reue dennoch groß. Und die Wut darüber, dass die Polizei den Mord an dem ständig in Verbrechen verwickelten 20-Jährigen nicht weiter verfolgt. Also nimmt der Arzt die Sache selbst in die Hand und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Die Spur führt ihn zu Yasins Freund Alex (Dulfi Al-Jabouri), aber auch zu dem brutalen Semion (Ali Sivandi).

Darkland Kino Rezension curt München

Die Geschichte an sich ist da noch die am wenigsten relevante Komponente. Im Grunde ist „Darkland“ nur ein weiterer Rachethriller nach bekannter Rezeptur: Einem unbescholtenen, dafür wehrhaften Bürger wird ein großes Unrecht angetan, was dieser nicht ungesühnt lassen kann. Gerechtigkeit fordert Zaid für seinen Bruder. Und auch wenn man ihm da wohl kaum widersprechen wollte, so ist die Wahl der Mittel doch mindestens zweifelhaft. Immer schneller dreht sich die Gewaltspirale, bis man als Zuschauer nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Wo gut und böse ist. Der Film will nicht einfach unterhalten, sondern bedeutet auch einen Frontalangriff auf unser moralisches Empfinden.

Erschreckend ist dabei, dass Zaid eigentlich Arzt ist und dafür da, das Leben anderer zu retten. Wenn ein solcher plötzlich zum Schläger und Mörder mutiert, dann darf es einem schon mal kalt den Rücken runterlaufen. Die Figuren sind dabei jedoch keine besonders große Stärke von Fenar Ahmad, der hier Regie führte und auch das Drehbuch mitverfasste. Die Hauptfigur profitiert stark von der unheimlichen Präsenz von Dar Salim, ist ansonsten aber wie jeder andere hier auch ein bloßer Mitschnitt von bestehenden Stereotypen. Spannend machen den Film aber vor allem zwei Punkte. Da wäre die dichte Atmosphäre, die sich aus düsteren Bildern, einem treibenden Elektroscore und einem ruhigen Aufbau zusammensetzt. Da wäre aber auch der gesellschaftsrelevante Aspekt.

Seit 30 Jahren würde er schon in Dänemark leben, so wirft Zaid seinem Vater vor, ohne jemals angekommen zu sein. Und er ist nicht der einzige. „Darkland“ verknüpft auf unheilvolle Weise verbrecherische Parallelgesellschaften mit der Frage der Integration. Während der irakischstämmige Zaid Vollblutdäne geworden ist und die Werte verteidigt, haben sich andere in Ghettos angesiedelt, in die Fremde besser keinen Fuß setzen sollten. Wer nicht den Regeln gehorcht oder zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist, den bestraft das Leben. Oder der Tod. Das ist manchmal ein bisschen sehr offensiv und plakativ umgesetzt, verfehlt aber seine Wirkung nicht: „Darkland“ ist ein Film, der einem angst und bange werden lässt. Der uns in eine alptraumhaft-verzerrte Version unseres Alltags stößt und darin elendig und ohne jegliche Hoffnung verrecken lässt.

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Fazit: „Darkland“ erzählt eine im Grunde altbekannte Rachegeschichte um einen Arzt, der Selbstjustiz ausübt. Das ist teilweise übertrieben und auch stereotyp, aber doch sehr spannend. Die düstere Atmosphäre, der Angriff aufs moralische Empfinden und der Blick in unheimliche Parallelgesellschaften lassen es einem eiskalt den Rücken hinunterlaufen.

Wertung: 7 von 10


Regie: Fenar Ahmad; Darsteller: Dar Salim, Stine Fischer Christensen, Dulfi Al-Jabouri, Ali Sivandi; Kinostart: 12. Oktober 2017

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