Im Kino: Barfuß in Paris

Als Kind standen sich Fiona (Fiona Gordon) und ihre Tante Martha (Emmanuelle Riva) sehr nahe – bis Letztere entschied, ihre Heimat Kanada zu verlassen und ein neues Leben in Paris zu beginnen. Ursprünglich hatte Fiona ihr bald nachfolgen wollen. Doch erst jetzt, einige Jahrzehnte später, soll sich die Gelegenheit dazu ergeben. Martha ist inzwischen stolze 88 Jahre alt und soll gegen ihren Willen in ein Heim kommen. Dem kann Fiona natürlich nicht tatenlos zusehen. Und so macht sie sich auf den Weg in die Fremde, um ihrer Tante beizustehen. Irgendwie scheint dieses Vorhaben aber unter keinem guten Stern zu stehen. Erst verliert sie ihr Hab und Gut bei einem kleinen Unfall, dann ist die alte Dame plötzlich spurlos verschwunden. Immerhin steht Fiona aber nicht allein da, der obdachlose Dom (Dominique Abel) bietet sich ihr ganz selbstlos als Wegbegleiter an.

Lange haben wir warten müssen, viel zu lange, bis wir endlich Fiona Gordon und Dominique Abel wieder begrüßen durften. Fast auf den Tag fünf Jahre sind seit „Die Fee“ vergangen – der letzte Film des kanadisch-belgischen Ehepaars. Fünf Jahre, das ist im Filmgeschäft schon eine halbe Ewigkeit. Ein bisschen neugierig durfte man da schon sei, ob die beiden sich in der Zwischenzeit verändert haben würden. Glücklicherweise ist das jedoch nicht der Fall, das neue Werk ist genauso eigenwillig, schräg und aus der Zeit gefallen wie ihr letzter Auftritt.

Das Metier der beiden ist und bleibt dabei die Komödie. Selbst wenn sich mal bittersüße Momente dazwischenschmuggeln und die Gefühle der beiden Protagonisten entscheidend mitspielen, am Ende soll vor allem eins: gelacht werden. Anders als so viel der heutigen Vertreter zielt „Barfuß in Paris“ dabei jedoch nicht auf den Bereich unterhalb der Gürtellinie. Und auch markige Oneliner sind einfach nicht das Ding der beiden. Stattdessen halten sie sich an die altehrwürdige Kunst des Slapsticks und setzen dabei auf das Element der Überraschung.

Mit Realismus hat das eher zufällig mal was zu tun. Ansonsten pflegt das Regie-/Drehbuch-/Schauspielduo eine Vorliebe für Übertreibungen und Kuriositäten. Schon die ersten Szenen, wenn wir Fiona in der Heimat Kanada sehen, sind bewusst künstlich gehalten. Später wird der Schauplatz dann zwar nach Paris verlegt, aber auch da finden Gordon und Abel immer wieder Wege, um die Realität hinter sich zu lassen. Den märchenhaften Ton von „Die Fee“ schlagen sie dabei jedoch nicht an. Sie tun zumindest so, als könnte sich das alles im Alltag so zugetragen haben.

Besondere Momente gibt es aber auch so genügend. Einer der Höhepunkte ist der gemeinsame Auftritt von Komiklegend Pierre Richard und der Grande Dame Emanuelle Riva in einer ihrer letzten Rollen. Alt sind sie geworden, sprühen aber doch voller Leben. Auch sie lassen einen die Zeit vergessen, wenn sie sich mit sichtlichem Spaß in ihre Rollen stürzen. Insgesamt ist der Inhalt dafür überschaubar. Der Ausflug in die Stadt der Liebe ist ein reiner Vorwand, um herumzualbern, Erwartungen zu unterlaufen und das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das ist erneut mit unglaublich viel Charme verbunden, dazu von einer Leichtfüßigkeit, die dem Titel gerecht wird. Mit dem an klassische Komiker wie Buster Keaton oder Jacques Tati erinnernden Slapstick erinnert „Barfuß in Paris“ nicht nur an vergangene Zeiten. Er zaubert einem vor allem, trotz der gelegentlichen Wehmut und Nostalgie, ein Lächeln aufs Gesicht.

Fazit: Die Slapstick-Virtuosen Fiona Gordon und Dominique Abel melden sich zurück und haben in der langen Pause nichts von ihrem Können eingebüßt. Sehr viel Inhalt hat ihr „Barfuß in Paris“ nicht, strotz dafür vor Charme, ist voller kurioser Einfälle und zaubert einem mit dem zeitlosen Humor ein Lächeln aufs Gesicht.

Wertung: 7 von 10

Regie: Fiona Gordon, Dominique Abel; Darsteller Fiona Gordon, Dominique Abel, Emmanuelle Riva; Kinostart: 7. September 2017


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