Im Gespräch: Liedfett aus Hamburg

Penetranz zahlt sich aus. Wochenlang hat unser jüngster curt-Mitarbeiter Aaron auf höchstem Niveau gejammert, um die Hamburger Band Liedfett am 20. März live im Backstage sehen zu dürfen. Mit Erfolg! Und ein Interview hat er zusätzlich rausgeschlagen. So viel zu Konsequenz in der Erziehung!

Aarons Liebe zu Liedfett ist allerdings leicht nachvollziehbar. Die Punkerattitüde der drei Hamburger Jungs Sprinder aka Daniel Michel (Gesang & Kazoo), Lucas Uecker (Gesang & Gitarre) und Philipp Pöhner (Percussions & Gesang) kommt nicht nur unserem präpubertierenden Journalistennachwuchs sehr zupass. Auch die rotzigen Texte auf Deutsch prägen sich sofort ein und lassen sich spontan mitgröhlen. Aber zunächst die Arbeit, dann die Party.

Plant ihr nach „Klarkomm“ ein neues Album?
Lucas: Ja, wir sind fleißig am Planen. Was dabei passiert, ist noch nicht so ganz klar. Aber es wird irgendwann kommen.


Wie soll es denn heißen?
Lucas: „Butter bei die Fische“? Ne, wissen wir nicht!
Sprinder: Aber wir hatten schon ein paar Ideen: von „Schmierlappenkommando“ bis „Halbvoll“ bis „Reinbügeln“. Aber so richtig den Namen haben wir noch nicht gefunden. Vielleicht hast du ja eine Idee!?

Nein, da fällt mir grad nichts ein.
Habt ihr denn Vorbilder?

Lucas: Ich schätze viele Leute sehr. Zum Beispiel einen Herren, Slug nennt der sich – die Nacktschnecke. Aus Amerika, Minnesota, von der Band Atmospere: Den mag ich sehr gerne.
Sprinder: Die machen Rap-Musik, ein bisschen wie Eminem, nur nicht ganz so aggressiv. Andere Texte einfach. Oder zum Beispiel die Monsters of Liedermaching: Der Flotte Totte, der heute als Vorgruppe spielt, ist dabei. Das sind so alte Vorbilder von unserer Mucke.

Was ist denn euer Lieblingslied von einer anderen Band?
Sprinder: Oh, das ist unterschiedlich. Unser Lieblingslied ist doch von Die Schlümpfe …
Lucas: „Papa Schlumpf“!
Sprinder: Das ist so ein Coversong von Waka Waka, oder? (singt) Wer hat die Frage? Papa Schlumpf! Wer hat die Antwort? Papa Schlumpf!“ Und von Veysel: „Mama hatte Recht, Papa hatte Recht, Mama hatte Recht …“
Lucas: Was ich grad auch ganz toll finde, ist „Bologna“ von einer Band namens Wanda.

Und euer Lieblingslied von euch selbst?
Sprinder: Wir haben ja in den letzten zwei Monaten neue Lieder geschrieben und mein Lieblingslied ist „Schmierlappenkommando“. Das spielen wir auch heute. Das ist dann absolute Weltpremiere.
Philipp: Das ist aber noch nicht klar, dass wir das heute spielen.

Das müsst ihr heute spielen. Wir haben es auf Tonband!
Philipp: Ja, ja, das hab ich mir auch grad gedacht.

Macht ihr Musik hauptberuflich?
Sprinder: Ja, mittlerweile schon. Philipp studiert ja noch zu Ende.
Philipp: Ich hab noch drei Seiten von meiner Arbeit, dann bin ich fertig.

Könnt ihr davon leben?

Lucas: Noch sind wir nicht tot! Aber du siehst ja, dass es rapide mit uns bergab geht. Ich hab noch nicht mal Hosentaschen, weil ich die gar nicht mehr benötige. Es wird mal besser, mal wieder schlechter, dann wieder besser.
Sprinder: Die Antwort ist erst mal Ja. Plus minus null: Am Ende vom Monat bleibt nicht viel übrig, aber wir können davon leben.

Wo ist die Stimmung auf euren Konzerten besser: bei euch in Hamburg oder im Süden?
Sprinder: In Hamburg ist sie auf jeden Fall immer extrem gut. Im letzten Jahr haben wir aber fast mehr im Süden gespielt. Da war die Stimmung eigentlich auch sehr gut. Da haben wir aber als Vorband von LaBrassBanda gespielt. Und die Leute waren sowieso schon gut drauf. Was also nicht schwierig.

Was für Hobbys habt ihr?

Sprinder: Lucas und ich haben gerade angefangen mit Kung Fu. Wir machen jetzt Sport, um unsere dicken Bäuche vom Winter wegzubekommen.
Lucas: Ich spiele Playstation, manchmal. Und lese auch, manchmal. Pilze sammeln! Das ist mein größtes Hobby.



Waren die Frauen in eurem Video von „Verkackt, bevor es losgeht“ wirklich Rugby-Spielerinnen?

Sprinder: Das war die St.-Pauli-Rugby-Mannschaft. Wir haben die gefragt und die hatten voll Lust. Die ganze Truppe kommt jetzt auch immer nach Hamburg zu unseren Konzerten und feiert mit.

Könnt ihr denn gut massieren, weil in dem Video massiert ihr ja auch die Frauen?

Sprinder: Ich glaub schon, meine Freundin ist immer ganz begeistert. Im Video haben die sich in einer langen Schlange angestellt.
Lucas: Mir taten die Finger schon weh nach der Zweiten.
Sprinder: So lange massieren, da haben wir ein bisschen gekürzt.

Welches ist euer Lieblingsfußballverein?

Sprinder: Sankt Pauli, eigentlich. Aber ich habe, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht so viel Ahnung von Fußball. Ich bin früher nur mitgegangen, weil meine ganzen Freunde da hingegangen sind. Und dann hab ich meine Dauerkarte abgegeben, weil ich dachte, vielleicht hat das jemand anders mehr verdient als ich.
Lucas: Jeder intelligente Hamburger ist St.-Pauli-Fan!

Wart ihr schon mal auf der Wiesn, weil es in euren Songs oft um Alkohol geht?
(Alle drei lachen)
Philipp: Ich war da noch nie, aber ich möchte irgendwann mal hin. Irgendwann muss man das wahrscheinlich auch. Kommt man wohl nicht drum rum.
Sprinder: Ich hab aber diesen Film gesehen: Bierfest. Hast du wahrscheinlich noch nicht geguckt. Da geht’s auch um dieses Bierfest. Das ist ein sehr bescheuerter Film.

Sind bei euch schon mal BHs auf die Bühne geflogen?

Sprinder: Ja, ein, zwei BHs – die wurden aber nicht von Frauen geworfen. Einfach nur so ein Gag, von irgend so einem Typen, der sie gekauft hatte. Einmal in Kassel haben wir so ein paar Spaßvögel gehabt, die haben uns Frauenunterwäsche auf die Bühne geschmissen und haben Nutella reingeschmiert.
Lucas: Das war schön!

Interview Liedfett curt München

Vielen Dank für das nette Gespräch und das anschließende Konzert. Großes Kino! Das Publikum warf viel Konfetti, die Band trank viele Schnäpse, küsste sich oft, Flotte Totte warf sich von der Bühne in die Menge, es gab viele (pädagogisch wertvolle) Danksagungen an alle Beteiligten und noch mehr (pädagogisch nicht ganz so vorteilhafte) Ansagen und Liedtexte. Der Club im Backstage war voll und jeder hatte jeden lieb!

Nachtrag von Aaron weit nach Mitternacht: „Das war das tollste Konzert, das ich je gesehen habe. Und Pogo ist cool.“


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, Plüsch-Elche, 70er-Jahre-Lampen … Seit zwei Jahren mischt sie liebend gern bei curt als Online-Redakteurin und Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.

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