Im Kino: Irre sind männlich

Bars? Da geht doch keiner mehr hin. Das Internet? Schon besser, aber inzwischen hat man sich auch dort schon sattgesehen, abgegrast, was irgendwie ging. Nein, der neueste Trend zur Partnersuche sind Gruppentherapien.

Natürlich sind die Leute dort alle ein wenig gestört. Aber das lässt sich auch zum eigenen Vorteil nutzen, denn die Suche nach Halt kann da auch schon mal direkt in die Kiste führen. Absurd? Pietätlos? Und wenn schon, erlaubt ist, was Spaß macht.

Und Spaß macht Thomas (Milan Peschel) vor allem das Verführen und anschließende Abservieren von Frauen. Sein bester Freund Daniel (Fahri Yardim) ist da das genaue Gegenteil. Der ist so anhänglich, dass selbst eine Klette Reißaus nehmen würde, so sie denn könnte. Dass die freiheitsliebende Mia (Josefine Preuß) trotz Partnertherapie, trotz guten Willens das auf Dauer nicht aushält, wer könnte es ihr verübeln? Als Daniel seine Eifersucht und seinen Kontrollzwang im Rahmen einer Gruppentherapie in Griff bekommen möchte und dabei mit einer Kursteilnehmerin im Bett landet, hat Thomas die Erleuchtung: Warum diese Sitzungen nicht zum Daten verwenden?

Gesagt, getan. Und so reisen die beiden durch ganz Deutschland, mit erfundenen Namen, erfundenen Geschichten, immer bereit, jemanden abzuschleppen. Das geht auch so lange gut, bis Thomas bei einem Therapiewochenende seine alte Eroberung Sylvie (Marie Bäumer) wiedersieht, die noch immer nach Rache schreit. Und auch bei Daniel herrscht das pure Chaos, ausgelöst durch TV-Star Bernadette (Peri Baumeister) und ihren Freund Carsten, die ebenfalls an der Sitzung teilnehmen.

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Moment, zwei Freunde, die mit falschen Identitäten und erlogenen Problemen Frauen rumkriegen wollen, hatten wir das nicht kürzlich schon einmal gehabt? Stimmt, „Heiter bis wolkig“ hatte vor anderthalb Jahren eine ganz ähnliche Ausgangssituation gehabt. Was damals die angeblichen tödlichen Krankheiten waren, sind hier dann eben psychische Störungen. Im direkten Vergleich zum Erfolgsfilm schneidet „Irre sind männlich“ anfangs auch gar nicht mal schlecht ab. Hatte das Vorbild arg damit zu kämpfen, dass Max Riemelt und Elyas M’Barek schlicht zu gut für ihre Rollen aussahen, gehen Fahri Yardim und Milan Peschel doch sehr viel glaubhafter als Trickverführer durch.

Dafür sah man das mit der Glaubwürdigkeit beim Rest des Films nicht ganz so eng. Dass jeder hier so seinen Dachschaden hat – unabhängig vom Geschlecht – ist natürlich durch das Grundthema vorgegeben. Oft wird aber bewusst übertrieben, Charaktere wie Thomas sind verkleidete Karikaturen, Lacher sollen durch Absurdität provoziert werden. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut und erfordert schon eine Vorliebe für etwas groben und albernen Humor. Ist das gegeben, darf schon des Öfteren mal geschmunzelt werden.

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Und später auch geseufzt, denn wie so oft wird auch bei „Irre sind männlich“ der Komödienteil mit einer Romanze gekreuzt. Nicht so viel, dass das Ergebnis als Liebeskomödie durchginge, aber doch genug, um deutlich die Tonart zu ändern. Ob es das gebraucht hat, ist wie so oft die Frage, zumal die Liebesgeschichte doch sehr vorhersagbar ist. Wirklich stören tut sie aber nicht, so wie der Film insgesamt eher harmloser Natur ist. Ähnlich bewegend wie „Heiter bis wolkig“ wird es hier deshalb auch nie, da bewegt man sich doch zu sehr im gemütlichen Mittelfeld. Hätte man mehr dafür tun dürfen, aus der Masse hervorzustechen? Das sicherlich. Sein Publikum sollte der Film aber auch so finden.

Fazit: Männer sind verrückt, Frauen aber auch: In „Irre sind männlich“ dürfen eine Reihe angeknackster Figuren mal witzige, mal sentimentale Abenteuer erleben. Das ist oft übertrieben albern und teils zu vorhersehbar, insgesamt aber doch ein netter, harmloser Spaß.

Wertung: 6 von 10

TEXT: OLIVER ARMKNECHT


 

 


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