Im Gespräch: Nada Surf

In den 90er-Jahren war die New Yorker Band ganz groß. Aber sind sie mehr als eine übrig gebliebene Rock-Punk-Pop-Band? Definitiv! Nada Surf gehört immer noch zu den Großen, ohne Kult, aber mit Kultstatus. Am 25. Februar spielt das Trio im Backstage Werk. Vorab hat curt Matthew Caws, Leadsänger und Gitarrist, zum Interview getroffen.

Nada Surf 1

Viele Bands der 90er sind längst weg vom Fenster. Wie fühlt es sich an, mit Nada Surf immer noch erfolgreich zu sein?

Matthew: Großartig! Ich war schon damals überwältigt, als ich zum ersten Mal auf einer Bühne stand, in einer Band spielte, als wir unsere ersten Platten machten … Und nun bin ich überwältigt, dass aus dem Ganzen eine richtige Karriere wurde.

Was hörst du privat?

Matthew: Ich mag alle Genres: Hip-Hop, Country-Rock, Crossover oder barocke klassische Musik. Alten Country wie The Louvin Brothers, die The Everly Brothers beeinflusst haben. Die wiederum haben die Beatles beeinflusst. The Louvin Brothers, zwei Brüder, sind die Wurzeln aller Harmonien. The Everly Brothers nahmen deren Musik und gaben einen Schuss Popmusik dazu. Fantastisch!


Hat dich Musik auch mal gelangweilt?

Matthew: Nur wenn ich längere Zeit nichts gemacht habe. Das deprimiert mich. Meist komme ich schnell darauf und schreibe dann einen Song. Über die Jahre habe ich so viel gehört und gesehen, dass mich Rock ’n’ Roll nicht mehr automatisch umhaut. Um so aufregender ist es, wenn ich etwas entdecke, das mich richtig mitreißt. Ich erinnere mich an ein Jonathan-Richman-Konzert in New York. Am Ende spielten sie fünf Minuten lang die Akkorde von „Louie Louie“ – das war wie Hypnose, umwerfend!

Auf dem neuen Album gibt es den Song „Jules and Jim“. Spiegelt das eure Begeisterung für französische Nouvelle-Vague-Filme wider?

Matthew: Der Song wurde tatsächlich durch den gleichnamigen Film inspiriert. „Jules et Jim“ hat mich sehr berührt, denn es ist sehr spannend, wie man die Situation vom Gegenüber zwar versteht, aber trotzdem nicht damit klarkommt.

Die Filmindustrie hat sich im digitalen Zeitalter verändert, so auch die Musik-industrie. Was denkst du darüber?


Matthew: Ich weiß nicht, was besser oder schlechter ist. Doch ich beobachte, denn ich lebe ja damit. Heute kann jeder ein Album machen und so gibt es 18 Millionen Bands. Live zu spielen ist aufwendiger. Man muss die Clubs bis zu sechs Monate im Voraus buchen. Selbst am Dienstag Abend in einer kleinen Stadt gibt es unzählige Konzerte, zu denen die Leute gehen können. Das Gute an den vielen Möglichkeiten ist, dass Menschen aktiv und kreativ werden.

Wodurch kann sich heute eine Band auszeichnen?

Matthew: Ich dachte mal, am wichtigsten ist es, gute Platten zu machen, drei Jahre lang zu verschwinden und ein unglaubliches Album aufzukochen. Inzwischen denke ich, das Live-Erlebnis eines Konzerts ist das, was du dir nicht herunterladen kannst!

Neues Album: The stars are indifferent to astronomy
Nada Surf Album

TEXT: ANGELA SANDWEGER


About Melanie Castillo

view all posts

curt München Art Direktion, Redaktionsleitung & Master of auto exploitation.