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Florian Herb – Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot

Unaufgeregt geht es zu in der kleinen Gemeinde Ried irgendwo in den Ammergauer Alpen. Mit ländlicher Gelassenheit und voller Vorfreude bereitet sich der Ort auf diverse Jubiläumsfeiern im kommenden Jahr vor. Dann sorgt allerdings der sonst immer umsichtige bayerische Landesvater höchstpersönlich für mächtige Unruhe unter den Ostallgäuern. Eben jene Jubiläumsfeiern sollen in eine weltweite PR-Kampagne des Ministerpräsidenten integriert werden. Zum Dank spendiert die Staatskanzlei die lang ersehnte Umgehungsstraße. Ried am Fuße des Riederhorns als Repräsentant alles Urbayerischen – das setzt bei der lokalen Honorigkeit zusätzliche Energie frei.

Saublöd nur, dass gerade jetzt der lokale Brauer in eine tiefe Sinnkrise verfallen ist und ankündigt, die Restbestände seiner sagenumwobenen Bierspezialität Erhellung ausschließlich selbst zu verputzen und es dann für immer gut sein zu lassen. Somit müssten die Rieder zu ihren Jubiläen das unsägliche Bier aus der Nachbargemeinde Vucking ausschenken. Und da beim Bier in Bayern der Spaß aufhört, setzt im Folgenden eine groß angelegte Rettungsaktion ein. Maria, die Tochter des Brauers, vor Jahren der hinterwäldlerischen Enge entflohen, soll aus Hamburg zurückgeholt werden um zu retten, was zu retten ist.

Die Begeisterung des gebürtigen Berliners Florian Herb für seine Wahlheimat und das Spielen mit Klischees zieht sich durch das komplette Buch. Hamburg ist steif, im Allgäu geht’s krachert und griawig zu und Heimat bleibt Heimat. Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot ist ein Roman wie ein großes Glas Volksfestbier. Schnell trinken, bevor es lack wird, und dann das Zweite gleich hinterher.


Florian Herb – Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot // Taschenbuch, 288 Seiten // Ullstein Verlag // ISBN: 9783548287591 // VÖ: 15.04.2016 // 9,99 Euro
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