21. November
Goldroger im Milla

Um den Zauberspruch Abrakadabra rankt sich mancher Erklärungsversuch. Einer übersetzt die aramäische Formel „avrah k’davra“ jedoch sehr treffend mit den Worten: „Ich werde erschaffen, während ich spreche.“ Wie gemacht für ein Debüt in Sachen Rap und Hip Hop, oder? Genau das hat sich Sebastian Goldstein, mit gebürtigem Rap-Ego als Goldroger bekannt, auch gedacht und mit seinem Album „Avrakadavra“ vor genau einem Jahr ein Album aus dem Kessel emporsteigen lassen, welches seinesgleichen sucht. Am 21. November springt der weiße Tiger dann nicht nur Roy an die Kehle, sondern weckt mit seiner schwarzen Magie den Faust in euch. Gretchenfragen und Haken? Gibt’s nicht, schon gar nicht im magie-erprobten Milla.

Angefangen hat die wilde Reise durch die Nacht für Goldstein auf den Pfaden des Sprechgesangs und Hexenwerks allerdings recht spät. Doch siehe da, der alchemistische Vortrag des Kölners, dessen Talent nicht in der konsequenten Gegnerbeleidigung liegt, sondern in entwaffnend ehrlichem Storytelling mit dem Besten aus Spoken Word und Poetry Slam, fand Anklang. Kluge Reimschemata inklusive. Den ersten MOT konnte der Zauberlehrling für sich gewinnen und stieß somit die Türen für sein Mixtape „Räuberleiter“ auf. Diverse Auftritte zusammen mit Veedel Kaztro und Johnny Rakete folgten ebenfalls.

Für sein lang ersehntes „richtiges“ Erstlingswerk verließ sich der güldene Roger nicht mehr auf vorproduzierte Beats seiner Freunde, auf die er seine aberwitzige und dennoch erschreckend ernste Silbenakrobatik legte. Mit dem Produzenten-Duo Dienst&Schulter ging es an die Verwirklichung seiner ganz eigenen musikalischen Ideen und das Bändigen der dunklen Künste zwischen Jamben und Trochäen.  Und so sammeln sich auf Avrakadavra rund 13 psychedelisch kosmische Mediationen auf das Leben. Menschen-Rap, wie es Goldroger nennt. Von der Oma bis hin zur Verflossenen, und das mit einer noch nie dagewesenen Mixtur aus Kraut-Rock, Funk und psychedelischen Abfahrten.

Avrakadavra ist keine leichte Kost und der Strom aus Worten, der aus dem goldenen Mundwerk auf den Hörer niederprasselt, muss erst einmal verdaut werden. Doch beim mehrmaligen Hören und Sehen offenbart sich die Genialität und Innovation Goldrogers. Kurzgeschichten statt Rap-Bars sind das Fundament des wohl vielseitigsten Rap-Albums der letzten Jahre und einer gekonnt eingejazzten Antithese zu aktuellen Hypes.

Dass der langhaarige Junge mit dem Fischerhut (wahlweise Bandana) auch noch ein goldenes Händchen für Popkultur-Referenzen beweist, macht das Schmökern in seiner Zauber-Fibel nur noch intensiver. Thomas Mann, mexikanische Todesmasken und Voodoo Childs, all die nimmt Goldie an die Hand. Doch ganz egal ob Antipop, Kraut-Rap, Future-Hippie, Heroin-Funk oder Psych-Hop – der Mann selbst findet stets die passendsten Worte:

„Auf 13 qm haben wir eine 13 Song starke Parallelwelt geschaffen, die von der reinigenden Kraft des Galgenhumors, den Generatoren plutonium-beladener Liebes-U-Boote und der einzig wahren, spektakulär unspektakulär gescheiterten Teenierebellion erzählt!“

Magische Verwandlungsmomente, 1 ganzes Jahr Avrakadavra“ und die herausragenden Dienst&Schulter, die an Jazz-Gitarre und Beat-Konsole die Hasen aus dem Hut zaubern, gibt es am 21. November im Milla zu beklatschen. Auf seiner „Tour Magique“ zeigt Goldroger noch einmal eindrucksvoll, mit welchen Zaubersprüchen er den Festivalsommer-Gästen die Kinnladen geraubt und die Hüften zum Schwofen gebracht hat. Nur echt mit dem goldenen Daumen.


Live: Goldroger > Facebook  // 21. November 2017 // Beginn: 20.30 Uhr // Milla // VVK 17,00 Euro zzgl Geb.


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