Im Gespräch: the Loranes
Live: 21. September

Veni, vidi, vici. Und wie sie kamen, und vor allem siegten. Es ist schon beachtlich wie es manche Bands schaffen sich fast schon wie aus der Hüfte geschossen und ganz selbstverständlich ein Denkmal zu setzen. Da ist man auch nicht um abgedroschene Einleitungen verlegen. Eine dieser Bands sind unweigerlich die Wahl-Berliner the Loranes.

Auf dem Berliner Qualitäts-Label Noisolution beheimatet gelang den Klagenfurtern Mammut und Elias zusammen mit dem gebürtigen Karlsruhisten Pat und ihrem Debut „trust“ ein Faustschlag in die Magengrube aller Zweifler darüber, ob good ol‘ Germany bei aller Verkrampfung überhaupt noch ehrlich tanzbaren Garagenrock mit Hit-Potential aus dem Becken pressen kann. Kurzum: der Klapperstorch kam im Tiefflug! Was 2015 mit ganzen 11 ausgefuzzten und souverän dahinbretternden Blues Rock Nummern gelang, zog weite Kreise und eine astreine Europatour nach sich, die die Jungs bis nach Schweden führte.

Ein wenig still ist es dann aber geworden, um den Dreier-Bob um Ex-Kadavar Bassisten Mammut, ehe ein Posting mit dem Text „pre-recording“ im späten Frühjahr endlich wieder die Engel singen ließ. Und tatsächlich, nach wenigen Monaten flackert mit „2nd“ der lang ersehnte Nachfolger am Horizont, und der kann es kaum erwarten am 22. September in den rauen Sand der heimischen Musikwüste geworfen zu werden, um sich seine Sporen zu verdienen.

Vorab lässt sich sagen, dass den Loranes auf ihrem Zweitwerk eine überraschende Steigerung gelungen ist. In den ersten Zügen nahtlos an ihren ersten Streich anknüpfend, spätestens zur Mitte hin aber an Atmosphäre und tadelloser Produktion fast nicht zu schlagen. Während Genre-Heroen wie die einst legendären Queens of the Stone Age mit ihrem diese Woche erschienenen Neuling „Villains“ und ihrer allmählichen Johnny-Depp-Werdung samt zerrupfter Goldzahn-Attitüde ins Bizarre abdriften, sind the Loranes ein charmant unaufgeregtes Beispiel dafür, wie eine lässige Weiterentwicklung aussehen kann. Äpfel und Birnen, klar, doch das Debut zu übertreffen, verdient Applaus.

Um dem Thronfolger auch standesgemäß zu huldigen, nehmen die Jungs am 21. September zusammen mit den urgewaltigen the Picturebooks dann endlich auch wieder München ins Visier. Diesmal parken die Harleys vor dem Backstage Club, und wenn die Shows vor zwei Jahren ein Indiz sind, darf man ziemlich sicher sein: die Bude wird brechend voll!

Am Vorabend ihrer Tour-Vorbereitungen zupften wir noch einmal unsere Lederjacke zurecht und sprachen mit Sänger und Gitarrero Pat über das neue Album, immensen Zeitdruck und den lästigen Alltag zugunsten unserer großen Leidenschaft.

Pat, die Band stand bereits vor eurem Debut „trust“ für kurze Entscheidungswege. Bei Release gab es euch gerade mal ein Jahr, euer neues Album „2nd“ ist keine Ausnahme, denn ihr habt es ebenfalls in Windeseile eingespielt, nachdem es nach einer ausgiebigen Tour erstmal ruhig um euch wurde. Wie ist es euch in den letzten zwei Jahren ergangen?

Stimmt, das ging wirklich alles wieder sehr schnell. Nach der großen Tour zu „trust“ haben wir uns aber erstmal zurück genommen. Mammut und Elias sind zurück nach Klagenfurt, ich bin in Berlin geblieben. Und obwohl wir im Herbst noch ein paar Shows gespielt haben, lag die Band erstmal auf Eis. „Enteist“, haben wir sie erst im Frühjahr dieses Jahres als ich die Jungs in Klagenfurt besucht habe. Und da wurde uns schnell klar: „Wir können das mit der Mucke nicht sein lassen!“, also haben wir uns an die Arbeit gemacht und ein zweites Album mit nicht mal drei Wochen effektiver Studiozeit aufgenommen. Und morgen gehen schon die Proben für die Tour los.

Eben diese Tour führt euch wieder mit euren alten Label-Kollegen von the Picturebooks zusammen, die ihr schon 2015 als Opener begleitet habt.
Richtig! Angefangen hat es mit einem Anruf von Claus Grabke und der Frage „Gibt es euch noch?“. Und ja, uns gab es da seit einer Woche wieder. (lacht) Insofern ist uns das wunderbar in den Schoß gefallen, bis auf den damit verbundenen Zeitdruck, den wir für die Platte hatten.

Wahnsinn, doch eurer zweiten Scheibe merkt man diese Blitz-Produktion überhaupt nicht an. Ganz im Gegenteil – vieles klingt satter, frisch und neu. Wie ist euch so ein Album in dieser kurzen Zeit gelungen? Musstet ihr Kompromisse eingehen oder war es gerade der Druck, der euch geholfen hat?
Persönlich kann ich ohne Deadlines nur schwer Dinge zu Ende bringen. Da bin ich genau das Gegenteil zu Mammut und Elias. Aber die Mischung aus beidem war genau richtig. Und wir sind mehr als zufrieden mit dem was wir in dieser Zeit geschaffen haben. Sowohl was den Sound, als auch das Songwriting betrifft. Im Vergleich zum ersten Album haben wir es diesmal nicht in Eigenregie, sondern in Klagenfurt im X-Studio von Matthias Ortner aufgenommen, was sehr hilfreich war.

Die Kritik zum ersten Album viel sehr positiv aus, trotzdem wurde bemängelt, dass es euch lediglich an einem Hit fehlt. Könnt ihr diese Kritik nachvollziehen und habt ihr für „2nd“ am Songwriting gefeilt?
Puh, mir ist der Vorwurf so nicht bekannt… Wir haben uns damals wie heute beim Songwriting sicher keine Gedanken gemacht ob der Song ein Hit wird oder nicht. Wer das macht hat sowieso schon verloren. Wir machen Musik die uns gefällt – die wir selbst hören würden. Alles andere ist nicht echt. Für das zweite Album haben wir auch wieder von Null angefangen. Wir hatten nichts in der Hinterhand, haben einfach viel geprobt und ausprobiert und alles reingehauen was wir hatten.

the loranes

Foto: Thomas Kalak

Das erste Album ist sehr direkt und kommt ohne Schnörkel aus. Lediglich Songs wie „easy“ oder der Closer „trust“ brechen aus. Höre ich mir die ersten beiden Tracks auf „2nd“ an, wusste ich sofort, mich erwartet ein klassischer Nachfolger. Mit Track Nummer 3 kam dann die Überraschung, als ein richtiger Klangteppich über mich herfiel. Im Stile von Alice in Chains geht es auf „elevator“ zur Sache und weitere Aha-Momente finden sich von dann an auf dem ganzen Album wieder. Diese neue Komplexität macht das Album in meinen Augen erst richtig rund. Habt ihr euren Sound bewusst geöffnet?
Wir wollten unbedingt wissen, was passiert, wenn wir ein zweites Album aufnehmen. Beim ersten Album kannten wir uns kaum. Wir haben „trust“ in kürzester Zeit aufgenommen und danach erst viel live gespielt. Mit jedem Auftritt rückten wir näher zusammen – vermutlich klingt unsere Weiterentwicklung jetzt einfach so wie es auf „2nd“ zu hören ist. Wie gesagt wir kennen uns jetzt, hören einander besser zu und genau das sind die Momente, in denen Songs wie „elevator“ oder „golden cage“ entstehen. Im Studio hat es dann auch vom ersten Tag an direkt gepasst.

Nun zu Dir persönlich. Mir scheint als hättest Du gerade als Sänger und Bandmitglied mit der wenigstens Band-Erfahrung nun Dein ganz eigenes Timbre gefunden. Auf „2nd“ hört man Dich stimmlich um einige Facetten reicher und auch Dein Gitarrenspiel ist virtuoser. Hast Du Dich weiterentwickelt oder einfach nur experimentiert, was Dir hörbar gelungen ist?
Das erste Album war in der Tat mein erster Gig als Sänger und Gitarrist. Mir hat von Anfang sehr geholfen, dass Mammut und Elias zwei sehr unaufgeregte Typen sind. Keiner ist vor nem Gig, im Studio oder sonst wo nervös. Das lief seit dem ersten Tag alles sehr geschmeidig und unkompliziert. Gleiches gilt für unser Label Noisolution. Das gab mir natürlich Sicherheit. Und klar hab ich mich nach 2 Jahren weiterentwickelt – wie jeder von uns. Es ist eben das, was ich schon immer machen wollte und jetzt endlich tun kann. Von daher bin ich sehr gespannt was nun auf uns als Band so zukommt.

Zwischenzeitlich hatte man Angst, euch würde es nach diesem Traumstart nicht mehr geben. Dann der Paukenschlag. Hat euch die Arbeit am Album noch einmal bekräftigt weiterzumachen? Was bedeutet euch Dreien diese Band?
Sowohl Mammut und Elias als auch ich sind ganz normalen Jobs nachgegangen. Alles schön und gut, aber wir sind Mucker, die auf die Bühne und nicht hinterm Schreibtisch sitzen wollen. Der Spagat zwischen Job und Band ist nicht immer ganz einfach. Wenn der Fall einmal eintreten sollte und wir uns nur auf diese Band konzentrieren könnten, würden vermutlich nochmal ganz andere Dinge herauskommen.

the loranes

Foto: Thomas Kalak


Das Album erscheint am 22. September, pünktlich zu eurem Gig hier in München einen Tag zuvor. Habt ihr Erwartungen an diese zweite große Tour?
Die letzte Tour mit den Picturebooks als auch unsere eigene kam bei den Leuten super an und hat uns mehr als getaugt, wie man in Österreich so sagt. Gerade als Support ist es ja nicht immer so einfach. Das kennst Du ja selbst von Dir. Welche Vorband hört man sich wirklich von Anfang bis Ende richtig an? Bei uns sind die Leute alle geblieben, waren interessiert und gingen ab. Jetzt sind wir heiß, die neuen Songs endlich live zu spielen. Wir sind jedenfalls ready to play the shit out of them!

> 21. September: the Loranes & the Picturebooks live im Backstage

Tourdaten:
13.09.2017 – DE – Bielefeld – Forum
14.09.2017 – DE – Hamburg – Molotow
15.09.2017 – DE – Berlin – Cassiopeia
16.09.2017 – DE – Jena – Rosenkeller
17.09.2017 – DE – Frankfurt – Nachtleben
20.09.2017 – DE – Köln – Blue Shell
21.09.2017 – DE – München – Backstage Club
22.09.2017 – AT – Wien – B72
23.09.2017 – AT – Graz – PPC
26.09.2017 – CH – Zürich – Dynamo
27.09.2017 – CH – Luzern – Schüür
28.09.2017 – CH – Bern – ISC
06.12.2017 – DE – Düsseldorf – Pitcher
07.12.2017 – DE – Stuttgart – Goldmarks
08.12.2017 – DE – Bremen – Magazinkeller
09.12.2017 – DE – Kiel – Roter Salon
10.12.2017 – DE – Lübeck – Rider’s Cafe
14.12.2017 – DE – Münster – Jovel Club
15.12.2017 – DE – Wiesbaden – Schlachthof
16.12.2017 – DE – Moers – Bollwerk
17.12.2017 – DE – Hannover – Lux
20.12.2017 – DE – Nürnberg – Club Stereo


Fotos: Thomas Kalak


 


2 Kommentare

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