curt liest: Elvis Costello – Unfaithful Music: Mein Leben

„Ich glaube, ich habe den ersten Besuch eines Tanzlokals meiner Leidenschaft fürs Catchen zu verdanken.“

Es sind die frühen 1960er Jahr. Declan Patrick M(a)cManus ist ein kleiner Junge der den Proficatcher Mick McManus verehrt und dessen heiße Moves vor dem Fernseher übt. Der dabei produzierte Lärm wird irgendwann sowohl der Mutter als auch den Nachbarn zu viel und der Kleine soll mal für eine paar Stunden aus dem Haus. Flugs wird sein Vater – Ross McManus – überredet, den Junior mit zur Arbeit zu nehmen. Und hier nimmt die Geschichte seine entscheidende Wende. Sonst wäre aus dem Jungen vielleicht ein kommender Knockout-Tag-Team-Champion geworden und nicht das Pop-Phänomen Elvis Costello. Daddy war nämlich Sänger im Joe Loss Orchestra und dieser abendliche Besuch im für Kinder eher ungeeigneten Hammersmith Palais hinterließ einen derart bleibenden Eindruck, dass fortan die schönen Künste in den Mittelpunkt des Interesses von klein Declan rückten.

It’s A Long Way To The Top.

Ein halbes Jahrhundert später ist aus dem Jungen ein hochdekorierter, allseits geachteter Künstler geworden, der abseits von Schubladendenken und musikalischen Scheuklappen eine erstaunliche Karriere als Sänger, Bandleader, Songschreiber, Produzent, Schauspieler und noch einiges mehr hingelegt hat. Kein schlechter Zeitpunkt, die eigene Vita um den Punkt Autor zu erweitern.

Costello widmet sich auf den fast 800 Seiten seiner Memoiren Unfaithful Music, Mein Leben fast allen Stationen seines bisherigen Schaffens und den dafür wichtigen Personen. Angefangen von der bereits erwähnten Kindheit im Nachkriegsengland über die Flegeljahre mit viel Booze, Beer & Rhythm bis hin zur distinguierten Gegenwart gewährt er Einblick in die Hintergründe seiner Songs. Er erzählt dabei nicht streng chronologisch, sondern mischt, ähnlich einem Best Of Album, die Jahrzehnte und Geschichten bunt durcheinander. Dabei verliert er sich nie in zu vielen Feinheiten, sondern unterhält den Leser mit einem feinen Gespür für die Balance aus Erinnerungstreue, Poesie und Humor.

Fazit: 800 Seiten sind viel Stoff, aber gefüllt mit der subjektiv erlebten Zeit- und Musikgeschichte des Herr Costello wird’s beim Lesen zu keiner Sekunde langweilig. Diese Biographie bietet zusätzlich eine kleine Rock und Pop Enzyklopädie und wirft ein neues Licht auf den vielfältigen Typen Elvis Costello.

Elvis Costello – Unfaithful Music. Mein Leben // Berlinverlag >> Homepage // 29.99 Euro // 784 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag // bereits erschienen


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curt München Art Direktion, Redaktionsleitung & Master of auto exploitation.

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