14. Juni
curt präsentiert: The Dillinger Escape Plan

Farewell Mathcore! 

Wenn Ben Weinman, Liam Wilson, Greg Puciato, Billy Rymer und Kevin Antreassian die Bühne betreten, bleibt nicht viel Zeit für Applaus. Binnen Sekunden erschlägt einen die pure hysterische Gewalt, die The Dillinger Escape Plan in ihren Songs bannen und auf der Bühne um ein Vielfaches multipliziert in die Gehörgänge meißeln. Nur selten erlebt man Konzerte, bei denen das Geschrei vor der Bühne gegenüber dem auf der Stage vor Neid erblasst.
Dass es sich insgesamt um fünf Bandmitglieder handelt, ist auch die einzige Gemeinsamkeit mit One Direction. Der Klangteppich des 5ers aus New Jersey, der sich nach dem Gangster-Idol John Dillinger benannt hat, lässt sich durchaus als noir bezeichnen, jedoch gilt die Band um Mastermind Ben Weinmann vor allem als Gralsträger des Mathcore Genres. Schnelle Arrangements, in Lichtgeschwindigkeit gespielte Frickel-Passagen an der Gitarre und ein ohrenbetäubendes, jedoch nicht minder mitreißendes Geschrei werden je durch loungige Jazz-Passagen und poppige Kopfstimm-Parts durchbrochen.

1997 gegründet, erlebte die Band, die schnell Kultstatus erreichte, um die Jahrtausendwende jedoch den ersten Bruch. Mit dem Weggang von Sänger Dimitri Minakakis stand man zunächst etwas verloren da, ehe sich für die EP „irony is a dead scene“ niemand Geringeres als Mike Patton (Faith No More, Fantomas, u.a.) zur Verfügung stellte. 2004 folgte mit „miss machine“ nicht nur der neue Mann am Mikrofon namens Greg Puciato, sondern endlich auch der tatsächliche Durchbruch.

Puciato, nicht gerade groß, aber dafür breit wie eine Kathedrale, ist es auch, der The Dillinger Escape Plan auf der Bühne maßgeblich zu einem Erlebnis werden lässt, das für viele Jünger der härteren Gangart zum absoluten Ritterschlag zählt. Keine Aufbauten, die nicht erklommen werden, kein Balkon, von dem es sich nicht zu springen lohnt, und kein Amp, den man nicht einfach mal ins Publikum befördern kann. Auch der ein oder andere Fan wird erbarmungslos und vom Sound der DEP besoffen in ihren Sog bzw. gerne auch mal auf die Bühne gerissen und windelweich wieder in den Moshpit entlassen. Das gelegentliche Feuerspucken zum Ende der Show ist in diesem Chaos kaum noch erwähnenswert. Während die Männer an den Saiten ihre Instrumente wild um den Hals schwingen, ebenfalls mehr klettern und irgendwo runterspringen als spielen, fragt man sich, wie sie dennoch so etwas wie Songs aufs Parkett bringen. Aber sie tun es einfach und werden einstimmig dafür gefeiert.

Doch jeder Feldzug hat ein Ende und die körperlich alles abringenden Live-Shows fordern ihren Tribut und man gibt einen allmählichen Materialverschleiß durchaus zu. Mit „dissociation“ hat die Band im letzten Jahr also ihren Schwanensang aufgenommen und wird sich nach einer letzten, alles in Schutt und Asche legenden Tour auf die Pfade Neros begeben: Jede Venue muss brennen, denn The Dillinger Escape Plan sind Geschichte. Und sie könnten rückblickend nicht stolzer sein, haben sie doch schon mit den Nine Inch Nails auf persönlichen Wunsch die Bühne geteilt, Deftones Sänger Chino Moreno auch, und gefühlt ein ganzes Plattenlabel an Solo-Projekten in der Hinterhand.

Am 20. Februar setzen die Mathcore-Gangster dann schließlich mit einem Kofferraum voller Maschinengewehr-Tracks das Backstage in Brand und wir sind gespannt, ob wir an dem Ort, an dem wir bereits 2007 T-Shirt und Verstand sowie ein paar Tropfen Blut verloren haben, nun komplett vernichtet werden.


curt präsentiert: The Dillinger Escape Plan // 14. Juni (Nachholtermin vom 20.02.17. Bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit!) // Support: BLACK PEAKS und GOD MOTHER // Backstage // 20.30 Uhr // 23 VVK Euro zzgl. Gebühren
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