19. November
Benjamin Clementine @ Philharmonie

„I won’t complain“, schreit er im gleichnamigen Video. Ich werde mich nicht beklagen. Alleine am Tisch sitzend, gegenüber sein Ebenbild, beide im Dialog mit sich selbst. Pianoklänge steigern sich in ihrem Ausdruck von Dringlichkeit. Seine Stimme erzählt von Erfahrungen, von ständigem Schmerz. Nein, ich werde mich nicht beklagen, das Leben ist schön. Ein Rinnsal von Hoffnung sickert hindurch, an den sich Benjamin Clementine stützt.

Diese Beharrlichkeit zeichnet ihn aus. Ihn, der seine streng katholische Familie verließ, um nach Paris zu ziehen. Dort lebte er mehrere Monate auf der Straße als Obdachloser, von Tag zu Tag. Mit seiner Gitarre spielte er sich hoch, von verkommenen U-Bahn-Stationen zu renommierten Philharmonien. Ein Aufstieg – beachtenswert, herausragend, würden wir sagen. Lässt sich ein Leben, eine Kindheit, so harte Konturen schaffend, grundpositionale Einstellungen schaffend, so schnell hinter sich bringen? Die Antwort scheint Nein zu sein. Er fühlt sich anders, seine Reaktion auf den Erhalt eines amerikanischen Visums ist bezeichnend: „I was baffled for about ten minutes when I first saw that visa. But then I thought to myself, I am an alien. I’m a wanderer. In most places I’ve been, I’ve always been different.“

Ein Mittel für die Verständigung mit der Außenwelt ist seine Musik. In den letzten Jahren hat er elf neue Songs für sein neues Album I Tell A Fly produziertdas am 15. September erscheint. Diese performt er live, wenn er sich auf seiner Welttournee wieder in die Fremde begibt. Benjamin Clementine beklagt sich nicht, er erzählt weiter mithilfe seiner Musik. Und das – dieser Zusatz sei mir erlaubt – einzigartig schön.

Benjamin Clementine >> // 19. November // Beginn: 20 Uhr // Philharmonie im Gasteig // VVK: ab 28,60 Euro
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