Im Gespräch:
Alina Oswald – Fotoprojekt „Moments“

Alina Oswald kommt zum Interview in die privaten vier Wände. Es gibt keinen Grund, nervös zu sein, schließlich wird sie nur ein paar Fragen beantworten. Aber wie müssen sich ihre Projektteilnehmer fühlen, wenn es klingelt und sie kurz davor sind, einen der intimsten Momente – ihren Orgasmus – mit ihr zu teilen?

Alina, wo stehst du gerade mit deinem Fotoprojekt „Moments“?
Ich bin mittendrin. Seit Dezember wird geshootet, teilweise zweimal wöchentlich. Es gibt keine Deadline oder eine festgelegte Personenzahl, aber aktuell sind es circa 20 Personen. Jetzt beginnt die Arbeit an einem Fotobuch, das im besten Fall Ende des Jahres zur Ausstellung im Café Kosmos präsentiert wird.

Wo findest du Freiwillige?
Anfangs habe ich über nichts anderes mehr geredet und eigentlich jeden gefragt. Es gibt kein Auswahlkriterium, aber natürlich begegne ich immer wieder Persönlichkeiten, die ich gerne fotografieren würde. Aktuell entsteht eine Serie in der Serie mit einer Person. Ich habe mich so in ihre Persönlichkeit verliebt, dass hier einfach mehr gezeigt werden muss. Mit einer Person war mal ein Termin vereinbart und dann hatte er wiederum zwei andere eingeladen, die mitmachen wollten. Eine Situation gab es, da stand keine Wohnung zur Verfügung und so sind wir zu fünft zu einem Kumpel. Das war sehr spontan und ungeplant, aber meine Kamera ist ja immer dabei.

Haben manche Angst, von Bekannten gesehen zu werden?
Man muss sich der Entscheidung frühzeitig bewusst sein. Die Eltern können das ja immerhin sehen. Letztlich ging es mir ja auch so, denn erstmal probierte ich es bei mir selbst aus. Beim ersten Shooting habe ich selbst ausgelöst. Das war aber nicht das Gleiche, also hat beim zweiten Mal jemand anders abgedrückt. Als es zur ersten Ausstellung kam, habe ich den Gästen vorab nichts gesagt. Meinen Vater habe ich dann doch vorgewarnt.


Alina Oswald

Foto: Aliina Oswald

Worin besteht die Spannung in der einzelnen Serie?
Kann ich erklären, was ich so besonders finde? Es ist wohl ein Gefühl, dass ich zu ihr habe. Ivy ist vielseitig, faszinierend und hat tausend Ausdrücke. Sie denkt selbst so viel mit. Dafür löse ich mich von dem Schwarz-Weiß, gebe eine Art Sicherheit auf und entwickle mich und das Projekt weiter.

Du wirst Teil eines ungemein intimen Stücks Privatsphäre der Teilnehmer. Können die Personen den Augenblick genießen?
Ja, total. Ich komme hin und nehme mir immer vorab Zeit für die Person und je nach Gefühl bleibe ich im Raum oder gehe erstmal raus. Die meisten machen es ja mit sich selbst oder jemand hilft. Der Mittelpunkt ist immer die Person. Ich spiele dabei gar keine so große Rolle, bin ja nur stille und unsichtbare Betrachterin des Erlebnisses. Natürlich ist es für viele eine große Überwindung, sie wollen es dann aber unbedingt schaffen. Es ist ein gewisser Reiz da und einige haben gleich gefragt, ob sie nochmal dürfen. Den Moment danach fang ich mittlerweile analog ein.

Wie war für dich das erste Mal?
Ich war sehr aufgeregt und unsicher, denn ich hatte ja nur den einen Moment. Es erinnert ein wenig an die analoge Fotografie. Der Akt an sich hat sich sehr natürlich angefühlt, nie seltsam. Nach und nach wurde ich technisch gelassener. Wenn der Blitz ausfallen sollte oder das Bild unscharf ist, dann ist es eben so. Ich finde die Erfahrung ganz toll, dass es sich mit jedem anders anfühlt. Es erregt mich nicht, aber auch ich bin total glücklich. Ich werde immer wieder von dem energetischen Moment überrascht. Da trifft mich so eine Welle.

Sind die meistens Teilnehmer Münchner Singles?
Ja, bei Paaren mag meist nur einer mitmachen und die Verteilung ist eher auf Männerseite. Paare hatte ich bisher nicht, wahrscheinlich weil man in einer monogamen Beziehung eher ungerne diesen Moment teilt und die Frauen mich eventuell als Konkurrenz wahrnehmen. Frisch getrennte Leute haben sich dann plötzlich getraut. Die meisten kannte ich schon, eine Person habe ich erst an dem Abend kennengelernt. Teilweise bekommt man komische Anfragen von Personen, die das Projekt mit falschen Augen sehen und in mir etwas anderes als die Fotografin. Die blocke ich sofort ab. Vermehrt kommen Leute auf mich zu, die woanders leben, aber das lässt sich organisatorisch nicht machen. Ich beschränke mich aktuell auf München.

Von welchen Anekdoten kannst du berichten?
Es kommt immer mal vor, dass es nicht klappt oder ich nicht rechtzeitig im Raum war, weil der Ruf zu spät kam. Man probiert es dann ein weiteres Mal. Wir sind keine Maschinen. Ein Moment war mal so schön, dass ich ihn gefilmt habe. Einmal kam ein Paar wieder zusammen. Sie sollte es nicht sehen, da hatte ich allerdings schon Postkarten verteilt.

Nächste Ausstellung: Gruppenausstellung 9.–30. September im Feierwerk/Farbenladen ► alinacaraoswald.jimdo.com // Vernissage 9. September > Facebook


Das Interview ist in unserer Ausgabe curt #87 erschienen.


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