Im Gespräch: Felix Frankenberger von 1000 Drawings

Köpfe tief gesenkt über einem kleinen Stück Papier. Umgeben von Bastelutensilien, Bleistift, Schere und Tusche. Die Atmosphäre ist tiefenentspannt, die Menschen extrem konzentriert und trotzdem wird kommuniziert: gedoodelt, wie Felix Frankenberger es nennt. Sein Projekt sind die 1000 Drawings, die es sich zum Ziel machen, Kunst und Fundraising unter einen Hut zu bringen. Herzlich eingeladen sind dazu alle, die Lust haben, den Pinsel für die gute Sache zu schwingen. Felix, der das Projekt mit einigen Helferlein von Johannesburg nach München gebracht hat, ist stolz darauf, für soziale Projekte Künstler wie Laien an einen Tisch oder wahlweise auf einen Fußboden zu bringen. Es wird gemalt, gezeichnet, fotografiert, porträtiert oder geklebt. Auf allem, mit allem, auf A5. Die dabei entstandenen Bilder können in eigens kreierte Drop-off-Boxen geworfen werden.

Am Samstag, den 18. Juli, der Night of 1000 Drawings, werden diese dann im Rahmen einer kulturellen Groß-Doodle-Veranstaltung im Kreativquartier in der Dachauerstraße für je 10 Euro das Stück versilbert. Der Erlös geht an die Organisationen Refugio München, Outreach und WECF

curt war bei einem der letzten Doodle-Sessions im Tante Emma Café an der Destouchesstraße dabei und hat neben einem Blick hinter die Kulissen auch ein kleines, aber hochfeines Doodle erlebt.


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Felix, du bist der Gründer der 1000 Drawings. Wie kam es dazu?

Ich habe in Südafrika für eine kleine Organisation gearbeitet, die in Johannesburg für Obdachlose Suppen und Unterkunft geboten hat. Es war aber mehr als eine Suppenküche, denn an jedem Mittwochabend wurde richtig Programm gemacht. Es wurden Geschichten erzählt und wir haben versucht zu helfen, wo es nur ging. Die Suppe war ein Weg, das Brot zu brechen. Als uns schließlich das Auto geklaut wurde und wir wie jede gute soziale Organisation keine Versicherung hatten, standen wir am Ende und haben uns Gedanken gemacht, wie wir uns neu organisieren können. Ausgangslage war die Idee eines Grafikers aus China, dem das alles zu administrativ war und der meinte: „Jungs, ich gehe, ich kann nur malen.“

Frei nach dem Motto, wenn du malen kannst, kann ich das auch?

Ganz genau! Als wir im Endeffekt nur noch zu zweit waren, schickten wir eine kleine, aber geniale E-Mail rum, und die ging viral. Da kamen Bilder aus Australien, Amerika und Deutschland. Und so haben wir unsere Freunde involviert. Wir hatten 1.600 Bilder und es kamen über 600 Leute zu unserer ersten Ausstellung. Mit diesem Event konnten wir auch wieder ein Auto kaufen und das ganze nächste Jahr finanzieren. Bald kamen erste Anfragen aus anderen Städten und so haben wir das bereits sieben Mal in Johannesburg gemacht, aber auch in Kapstadt, Dubai, Fulda, Berlin, Amsterdam und bald auch in Miami. Sowurde aus einer kleinen Idee in der Freizeit ein riesiges Monster.

Wie macht ihr euch auf die Suche nach den Locations für eure Doodles?Verfolgt ihr einen roten Faden?

In Südafrika haben wir einen Namen und können uns das aussuchen. Da sind wir vor allem in der Innenstadt unterwegs, da diese in Johannesburg mitunter sehr verpönt ist. Wir wollen zeigen, wie schön die Innenstadt ist und Leute dorthin zurückbringen. In Amsterdam und Berlin läuft das wieder um-gekehrt. Da müssen wir erst mal jemanden finden, der uns überhaupt nimmt. Nach einigen Enttäuschungen haben wir eine Liste von über 40 Plätzen gemacht, die wir angesprochen haben. Cold-Calling quasi. Und es waren immer wieder Leute, die helfen wollten, aber nicht viele Möglichkeiten hatten. Es gab dutzende Stolpersteine und Leute, die uns auch einfach abzocken wollten. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung und wir sind froh, dass wir im Kreativquartier, dem Leonrodhaus, mit offenen Armen empfangen wurden.

Warum sagen die Leute letztlich Ja zu eurem Projekt?

Wir hatten bis jetzt die verrücktesten Leute aus allen möglichen Richtungen wie Tattoo-Artists, Kirchengemeinden oder Meditationszentren. Ich verfolge immer das Kredo: „Why not?“ Für mich geht es um das Gemeinschaftliche, sich hinsetzen und Leute kennenlernen. Gerade in München, wo es doch sehr schwierig ist, wenn du keine Leute kennst. Wir wollen, dass die Leute ihre Netzwerke mitbringen. Bei unserem Partner Refugio geht es nicht darum, einfach das Geld über den Zaun zu werfen,  sondern gemeinschaftlich zu helfen und Leute aufmerksam zu machen. Zwanglos, aber motivierend. So werden auch Leute involviert, die eigentlich keine Lust haben und die einfach anfangen zu malen. Oft sind die Leute selbst verblüfft, wie gut sie sind. Jeder kann malen, jeder ist ein Künstler und jeder hat kreative Aspekte. Die Leute sollen sich mit sich selbst auseinandersetzen.

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Womit wäre euch geholfen und wie können curt-Leser euch unterstützen?

Natürlich hapert es wie immer am Geld. Das Event wird größer als geplant und es kommen mit Sicherheit an die 1.000 Leute. Auf freiwilliger Basis also ein extrem schwieriges Unterfangen, erst recht aus privaten Ressourcen. Allein Print und Poster kosten einiges. Viel wichtiger ist aber das Programm. Gute Musiker, die spielen wollen. Egal welcher Stil. Barleute und Supplier, die uns helfen wollen.

Ideen für den Abend an sich: Entertainer, Live-Puppets, Doodle-Battles mit bekannten Künstlern. So haben uns in Südafrika schon Firmen wie Adobe bei Gewinnspielen unterstützt. Aber auch Kontakte, die uns an coole Locations bringen können, wollen wir unbedingt nutzen. Immer her damit! Jede helfende Hand ist willkommen und jede Idee hören wir uns an. Wir wollen auf keinen Fall als Partyveranstaltung verstanden werden. Wir brauchen einfach kreative Leute, die mithelfen und sich hinsetzen und malen. Wir wollen so viele Bilder wie möglich, um den größten Gewinn für alle zu erzielen. Darüber hinaus ist es mein Ziel, München ein wenig aufzuwecken und zu ärgern. Holt euch eine Decke und ein Glas Wein, fangt an zu doodlen und habt Spaß!

1000 Drawings >> Homepage

Fotos: Achim Schmidt >> Homepage

Dieser Artikel ist in der Printausgabe curt #81 erschienen.


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