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MAGAZIN

curt liest rein: Gonzo-Cooking
Donnerstag, 11. September 2008
Jeder kennt das – gerade nach einer Workaholic-Woche im Job, vor einem runden Geburtstag oder nach einem alkoholschwangeren Philosophen-Plausch mit dem Barkeeper: Manchmal möchte man seinen Alltag hinter sich lassen und die Tristesse in ein berauschenderes Dasein umtauschen.
Bill Buford, Hobby-Koch und Redakteur der Zeitschrift „New Yorker“, kündigt von heute auf morgen seine hochdotierte Stelle, um als unbezahlter Küchensklave in einem sterngekrönten Italiener im Big Apple zu buckeln. Was Buford anpackt, macht er mit besessener Hingabe, er wandelt zwar ständig in schwindelnder
Höhe auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn, verliert dabei aber
nie die Balance. Für sein erstes Buch „Geil auf Gewalt“ begibt er sich in „Embedded journalist“-Manier mitten in die Niederungen der britischen Hooliganszene. Als er später für ein Porträt über Mario Batali, einen bekannten
US-Fernsehkoch, recherchiert, lädt er den Stargastronom gleich zu sich nach Hause ein, um von ihm ein paar Profitricks zu lernen. Zwei Monate später schuftet Buford schon in Batalis Restaurant „Babbo“. Er fängt als Postenkoch fast bei null an, würfelt mehr Fingerkuppen als Karotten, versengt sich minütlich am höllischheißen Grill Haut und Haar und muss sich mit den ihn verfluchenden Kollegen herumschlagen. So lange, bis er als beförderter Sous-Chef irgendwann hören kann, wann ein Steak genau richtig gegart ist. Er begreift schnell, dass gutes Essen aber ganz woanders beginnt, nämlich bei den Zutaten und deren Produzenten. Also geht er nach Italien, um sich bis ins kleinste Detail in die Nudelherstellung einweihen zu lassen. Danach zieht er weiter und landet in Panzano bei Dario Cecchini, dem skurillsten und bekanntesten Metzger Italiens.
Seine sehr witzig beschriebenen Erfahrungen hat Buford in „Hitze“ festgehalten. Das Buch ist ein dringender Appell, eine Beziehung zu unserer Nahrung herzustellen, die den meisten Menschen – Fastfood, Tiefkühlpizza und Glutamat
lassen grüßen – immer mehr abhanden kommt. Manchmal stört zwar die etwas
schlampige Übersetzung, aber letztendlich beantwortet „Hitze“ eine der drängendsten Fragen unserer Zeit: „Wann kam das Ei in die Pasta?“

Bill Buford: Hitze – Abenteuer eines Amateurs
als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher
und Metzgerlehrling, Hanser, 24,90 €



Text: Christoph Brandt
Artikel erschienen in curt-Ausgabe #57

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