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# 54 |
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Freitag, 29. Februar 2008 |
VORWORT
Vor einer halben Stunde läutete mein curt-Handy, eines der Geräte, welches - in ein mit seinen persönlichen Initialen versehenes Ziegenledernes Säckchen gehüllt - jeder Mitarbeiter bei Arbeitsantritt vom Chef persönlich ausgehändigt bekommt
Ich habe es eigentlich noch nie benutzt und weiß auch nichts über das Gerät, außer, dass es aus massivem Platin ist und sehr dezent funkelt. Bis eben wusste noch nicht einmal, wie es klingelt. Anfangs dachte ich, eine Gruppe Guerilla-Symphoniker wäre bei mir eingebrochen, um in meiner Küche Passagen aus Šmetanas Moldau zum Besten zu geben. Ich war schon unterwegs, um nachzusehen, da merkte ich erst, das kam aus dem Handy. Der Chef war dran und fragte, ob ich nicht ein Vorwort für das aktuelle Gastro-Special schreiben wolle. Nichts lieber, als das, antwortete ich. Gastro ist ja sozusagen mein Steckenpferd, mein Top-Thema deLuxe. Ein Wunder, dass das erst jetzt zum Special gemacht wird, denn wenn es nach mir ginge stünde Ernährung auf der Themenliste ganz oben. Ich würde sogar behaupten, dass ich das ganze Heft alleine mit meinem Wissen über und meiner Leidenschaft für Kulinarik füllen könnte. Was sage ich, meinetwegen eine wöchentlich erscheinende Serie, gar kein Problem. Da könnte ich dann endlich preisgeben, wo man den besten Schweinsbraten Münchens bekommt; auch wenn‘s schwer fiele aber Geheimnisse machen eigentlich eh Spaß, wenn man sie ausplaudern kann. Ich würde in einem Enthüllungsbericht vor den Brezen einer bekannten Bäckereikette warnen, die zu den teuersten der Stadt gehören und dennoch schmecken und sich anfühlen, wie Pappe, wenn man sie nicht gerade frisch aus dem Ofen in der Produktionszentrale kauft. Natürlich dürfte ein groß angelegter Espresso-Test nicht fehlen oder ein Qualitäts- und Geschmacksvergleich des Gemüses aller Münchner Wochenmärkte. Und als Highlight gäbe es pünktlich zur Trüffelsaison eine Fotoreportage mit passenden Rezepten aus dem Périgord. Wenn hier also einer über Gastro schreiben kann … Šmetana klingelte wieder und unterbrach meine Ausführungen, ich musste wohl aus Versehen auf den Auflegeknopf gekommen sein. Der Chef war wieder dran, ‚Astro, Thomas, ASTRO, wir machen ein Special übers Weltall, alles klar?‘ ‚Ach so, natürlich, Astro! Sonnenklar, Chef. Ist doch gar kein Problem, kann ich machen. Ich müsste da sogar noch was, also, ich glaube, ich habe da, kleinen Moment noch, äh, Kosmos…‘ Bevor mir die Pause peinlich wurde, nahm ich das Handy vom Ohr und schaltete es ab.
Viel Spaß mit der Astro-Ausgabe,
Euer Thomas
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