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Johannis-Café vs. Rakete-Bar |
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Donnerstag, 14. Februar 2008 |
Das altbewährte Johannis-Café gegen die neue Rakete-Bar
RAKETE-BAR:
Wenn ich das Wort „Rakete“ höre, muss ich immer an in der Luft zerfetzte amerikanische Astronauten in den 80er Jahren denken, oder an Tauchspiele im Freibad („Ich bin eine Rakeeete!“), auch in den 80ern. Stehe ich heutzutage vor der Rakete-Bar am Johannisplatz in Haidhausen, erinnert mich das angenehm blendende Rotlicht an Legebatterien privaten Marihuana-Anbau und Hamburg. Und trotzdem traf mich bei meinem ersten Besuch der Schlag: Hunderte von fiependen, knallgelben Küken tummelten sich überall auf dem Parkett verteilt. Um den Tresen herum, ein Dutzend leichte Mädchen in Lack und Leder, die sich gerade mit vergoldeten Gießkannen um sämtliche Haschpflanzen kümmerten. Kreischender Lärm, jedesmal wenn eine der mit hochhackigen Pumps ausgestatteten Damen ein Küken mit dem Absatz erwischte. Kurzum: Rakete = Wahnsinn! Puuhh, schon erstaunlich, wie sehr sich dieses Rotlicht auf meine Wahrnehmung auswirkt. In Wahrheit ist die leuchtende Rakete-Bar nämlich auch sehr lässig. Rund um den Tresen kaum Einrichtung und trotzdem gemütlich eng. So kommt man schnell ins Gespräch, vielleicht auch mit der amtierenden Miss Pfaffenhofen, die in der Rakete auch schon gesichtet wurde. Dazu coole Electro-Tunes oder auch genauso alles andere. Schön rot.
RAKETE-BAR, JOHANNISPLATZ 11 // ÖZ: 19-02 H
JOHANNIS-CAFÉ:
Von außen so unscheinbar erscheint das Johannis Cafe mit seinen stets zugezogenen Vorhängen. Naja, von innen eigentlich auch. Wäre da nicht das bunt zusammengewürfelte Publikum, das sich spät nachts egal ob an Werktagen oder am Wochenende gegenseitig zuprostet. Egal ob Künstler oder Schauspieler, Beamter oder Busfahrer, Schicki oder Tussi – Wir sind Johannes Café! Die rasende Bedienung Susi kennt jeder beim Namen und ist genauso herzlich wie Olaf, seit 16 Jahren Wirt des Jay Cs. Fast täglich begrüßt er seine Gäste, besser gesagt seine Familie, in dem seit 1925 bestehenden Café. An der Einrichtung hat sich seit den 50ern nicht viel geändert, die Tapete mit Alpen-Panorama ist so richtig schön geschmacklos, Hausspezialitäten wie Kartoffelsuppe und Schinkennudeln nicht. Ab und zu lädt Olaf sogar zu literarischen Abenden ein, an denen entweder die Münchner Tatort-Komissare oder junge Germanistikstudenten vorlesen. Eine Ankündigung gibt es dafür nicht. „Dafür wäre der Laden zu klein“, sagt Olaf. Im Hintergrund tönt es grell aus der Jukebox „I`ve been looking for freedom...“ David Hasselhoffs größten Hit. „Ey, wegen dem Song ist damals die Berliner Mauer gefallen“, grölt ein Gast in der anderen Ecke. Recht hat er.
JOHANNIS CAFÉ, JOHANNIS PLATZ 15 // ÖZ: 11.00-01 H, DI RUHETAG
Text: Martin Emmerling
Artikel von #52 |