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Der Schwarze Hahn |
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Donnerstag, 14. Februar 2008 |
Nachdem ich das Lokal Schwarzer Hahn betreten habe, fällt mir ein Ding auf, das ein bisschen aussieht wie ein Rennauto. Es stellt sich heraus, das es die Seifenkiste der ‚lokalen’ Mannschaft ist. Einer der Wirte, wie ich später erfahre, war über die Ausschreibung einer Aktion gestolpert, die der Münchner Bezirksausschuss um Haidhausen und der Au wieder ins Leben gerufen hatte; Das Seifenkistenrennen am Gebsattelberg. Stolz zeigt mir Wirt Stefan die Urkunde, die an augenscheinlicher Stelle hinter der Bar thront, wie viele andere geschichtsträchtige Kleinode des Lokals, das gerade mal ein Jahr alt wird.
Joseph (Kameramann), Michael (Schreiner) und Stefan (Künstler) dachten sich eines Tages, sie könnten doch was für ihre Rente tun. Was gibt es da lukrativeres, als in der feierfreudigen Münchner Metropole eine Bar zu eröffnen? Die drei gebürtigen Münchner kennen sich im Nachtleben, vor allem in der Trendgastronomie aus, sind sie doch nicht nur hier aufgewachsen. So arbeitet Stefan seit circa 20 Jahren hinterm Tresen, u.a. in der Muffathalle und auch der Michi stand einst an der Schenke.
curt: Wie kam der Schwarzen Hahn und das dahinter stehenden Konzept zustande?
Stefan: Ich hatte immer schon den Wunsch einen Laden zu haben, in dem Gitarrenmusik gespielt wird. Dabei geht es nicht um eine Richtung wie Punk Rock oder Metal, es geht um alle Gitarren-lastigen Musikstile. Doch wir sind in erster Linie zum Bier trinken hier!
curt: Wie kamt ihr denn zu dieser Lokalität?
Stefan: Das Lokal war vorher ein Vietnamese, doch es gab immer Ärger mit den Nachbarn, die sich vom Küchengeruch belästigt fühlten. Nachdem der Laden lange leer stand, war es dem Vermieter ganz recht, dass wir nur Ausschank machen wollten.
curt: Die Ohlmüllerstraße ist nicht unbedingt im Münchner Inn-Viertel. Wieso hier?
Michi: Früher hieß die Ohlmüller gar die Totmüller-straße. Als wir den Laden umbauten, sind Leute beim Vorbeilaufen stehen geblieben und fragten nach, was denn hier passiert. Alle freuten sich auf eine neue Bar! Du musst mit den Leuten reden, das ist das Allerwichtigste! Das Viertel taut langsam auf und inzwischen sind die Leute dankbar, dass es hier einen Laden mehr gibt.
Während wir an der Bar unsere Biere trinken, laufen immer wieder Leute vorbei, die neugierig reingucken. Stef: „Ist das der Bertl?“ Michi „Nein, das ist doch der Hans!“ Die beiden Wirte Stef und Michi heben die Hand zum Gruß, die Passanten grüßen und lächeln zurück. Die ersten Gäste, ein sehr ansehendliches Paar, stecken ihre Nase zur Tür herein: „Wann macht ihr denn auf?“ „Eigentlich erst so um halb acht. Aber wenn ihr schon was wollt?“ Sie nehmen die Einladung gerne an, obwohl draußen ganz akzeptables Wetter für den Biergarten wäre.
curt: Was zeichnet denn den Schwarzen Hahn aus?
Stefan: Zu unserem Prinzipien gehört es auch, dass jeder sein Essen mitbringen kann wenn er mag, zum Beispiel die Pizza von Carlitos aus der Nachbarschaft. Jeder der Bock hat, kann hier vorbei kommen! Gästen haben uns bestätigt, dass man bei uns in Ruhe sein Bier trinken kann, aber auch ganz leicht mit anderen ins Gespräch kommt und nicht lange alleine an der Bar herumsitzt… Außerdem haben wir einen offenen Plattenteller. Jeder kann hier auflegen wenn er mag. Einmal, an einem Dienstag, kamen die Baby-Punks, die total coole Musik gemacht haben, lauter außergewöhnliches Zeug. Die hatten Freunde dabei, die kein Geld hatten. Sie fragten uns dann, ob sie ihr eigenes Dosenbier mitbringen könnten. Wir sagten: „Ok, hockt’s Euch da hinten hin, trinkt’s euer Bier und feiert’s mit eueren Freunden…“ Das war ein super Abend. Man kann nicht immer nur ans Geschäft denken. Die fanden uns cool und wir hatten einen tollen Abend. Das ist natürlich nicht die Regel.
Michi: Das Publikum ist aber normalerweise eher in unserem Alter, von Ende 20 bis bis Mitte 40. Es gibt hier alle sozialen Schichten, vom Rocker bis hin zum…
Stefan: … zum Poloshirt-Träger. Jeder kommt hier rein, ohne irgendwelche Hemmungen zu haben. Das Publikum ist total durchgemischt…
curt: Wie sieht es denn mit Euerer Preisstrategie aus?
Michi: Wir haben ehrliche Preise. Wir haben keine Schankanlage, sind nicht permanent am Gläser spülen und die teueren Biere werden von den günstigeren mitgetragen, obwohl wir viele verschiedenen Sorten haben…
Stef: Eines unserer Ziel ist es, dass hier jeder sein Heimatbier trinken kann. Wir sind ein brauereifreies Haus.
Montags gibt es „Schöner Scheitern“, ein vor acht Jahren ins Leben gerufene Performance-Projekt. Ein Initiator, Philipp, selber Autor und Kulturjournalist, hat die drei Wirte überzeugt, dass es im Schwarzen Hahn am richtigen Ort sei. So finden jeden Montag nachempfundene Kunstaktionen, kürzlich z.B. Rainer Bartsch, Das Menschenregal, statt, die bereits da Gewesenes bewusst wieder aufleben lassen. Dahinter steht natürlich ein ausgeklügeltes Konzept. Davon aber ein anderes Mal.
Michi: Ein bisserl „Culture“ (französisch ausgesprochen)
Stefan: Ja, auch davon ein bisserl hier in der Au! (beide lachen)
Dafür spricht der Name des Lokals zwar nicht, denn der Gallo Negro steht gemeinhin für Machismo, Stärke und Mut. Historisch gesehen wurden die zwielichtigen Hafenkneipen aller Welt mit diesem Namen versehen, denn dort ließen sich die trinkfreudigsten Mannen wie Matrosen und Piraten vollaufen. Doch was hebt dann den Schwarzen Hahn in München von diesen Klischees und denen, die dieser Stadt nachgesagt werden ab? Schaut’s selber rein!
TEXT UND FOTO: ANGIEBLACK
Artikel von #52 |
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