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Auf DVD: Bunny and the Bull
Donnerstag, 1. Dezember 2011
Schräg, schräger, Bunny and the Bull: Kurios-beängstigende Landschaften, unglaubliche Begegnungen und eine verlorene Liebe katapultieren den sympathischen Nerd urplötzlich vom heimischen Wohnzimmer mitten in eine Odyssee voller Gefahren und Abenteuer.




Stephen Turnbull hat den Nerd-Blues: Seit Monaten hängt er in seiner Wohnung herum, vor die Tür will er gar nicht mehr, zelebriert seinen tristen Alltag in einer Art Mausoleum. Neben reihenweise wohl beschrifteten Boxen und fein gestapelten Mikrowellengerichten hat sich’s die Neurose bequem gemacht. Erst als Mäuse sich an seine Nahrungsvorräte ranmachen, wird er jäh aus seinem Dämmerzustand gerüttelt. Ausgehungert beginnt sich Stephen wieder für das Draußen zu interessieren, und damit auch für die Vergangenheit vor seiner Haustür, die ihn in das Wohnzimmergefängnis befördert hat. Mit dem Wohnungskoller erwacht das staubige Lager zu Leben, es beginnt ein psychedelischer Flashback zu einer völlig schrägen Europareise.






Der britische Regisseur Paul King gestaltet seinen Debütfilm BUNNY AND THE BULL als völlig skurriles Roadmovie, in dem alles ein bisschen anders ist. Er kombiniert zwei allerbester Busenfreunde, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Der eine ein ängstliches Häschen (Bull/Edward Hogg), der andere Hau-drauf-Rindsvieh (Bunny/Simon Farnaby), der feinsinnige Weisheiten vom Stapel lässt wie „Girls don’t like grammar.“

Für Liebhaber surrealer Stories und geschmackvollen schwarzen Humors heißt es: Willkommen in Absurdistan, Zurücklehnen und das Spektakel genießen! Das Team, das Paul King hier versammelt, wird Fans britischer Comedy-Serien wie The Mighty Boosh oder Garth Marenghi’s Darkplace sowieso wohl bekannt sein – Familientreffen quasi. Nach fünf Jahren King’scher Quatsch-Regie bei den Zoowärtern dürfen Noel Fielding und Julian Barratt alias Vince Noir und Howard Moon in originell beknackten Nebenrollen nicht fehlen. Der eine als alkoholkranker Ex-Matador („it’s not a fight, it’s a dance“), der andere als russischer Yeti-Look-Alike, mit einem halben Hunderudel verheiratet – geht’s denn noch?





Die britische Antwort lautet: YES! Gottseidank geht es immer noch abgedrehter. Beispielsweise wenn der vagabundierende Hundefreund Milch von Hundezitzen nuckelt, oder wenn Bulle und Karnickel einen ausgestopften Bären aus einem Hotel klauen, mit den schönen Worten: „People take shit from hotels all the time“. Von der semierotischen Bro-mance zwischen Bunny und Bull mal abgesehen, ist auch ein bisschen zuckersüße Liebesgeschichte dabei. Bull verliebt sich in die quirlige Spanierin Conquita, die die Freunde in dem gammeligen Fischlokal „Certain Crab“ aufgabeln. Natürlich tut sich der neurotische Stephen kaum als Ladies Man hervor und der Trouble beginnt erst recht, als Bunny sich erfolgreich an Conquita ranschmeißt, und beschließt von ihren Bruder das Handwerk des Toreros zu erlernen.

Extrem amüsante Interviewparts machen das Making-Off auf der DVD zum absolut sehenswerten Bonus. Ein Hoch auf die skurille Setrequisiten wie einen Besenstiel, der die liebevoll gefertigten Miniaturmodelle in Fahrt bringt – in sachgemäßen Fachkreisen als so genannte Besenstieleinzelaufnahme. Wer sowieso so schon eine tiefe Liebe für den niedlichen Wahnsinn der Darsteller hegt, wird danach gerne um gemeinsames Wegsperren in der Klamaukzone bitten. Wofür Grenzen zwischen Realität und Fiktion, wenn man einfach drüber pinseln kann. Paul King bedient sich so fantasievoller Bilder, das man gerne mit in diese verrückte Cartoon-Welt entschlüpft, die kreativen Kostüme und Pappmaché Landschaften einfach bejubelt. Einzige Regel dabei: Angucken nur in Originalsprache erlaubt! Alles andere wird mit einer Runde Hundemilchnuckeln bestraft.


BUNNY AND THE BULL // Wild Bunch Germany / Senator // seit 25. November auf DVD und Blu-ray


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