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MUSIK

Gehört: Musik der Woche
Dienstag, 13. September 2011
Eine neue Runde CD-Rezensionen von unseren Nürnberger curt-Kollegen – musikalisch wie immer breit gefächert, subjektiv wie immer von Grund auf ehrlich.

Dear Reader - Idealistic Animals
City Slang

Nicht nur ob ihres neuen Albums zählen Dear Reader gegenwärtig zur absoluten Speerspitze des südafrikanischen Indie-Pop-Kosmos der Post-Apartheid. Wen gibt es da eigentlich noch? Die rockigeren The Parlotones, die noch rockigeren Prime Circle, die dubbigen BLK JKS, ...? Womit wir wieder bei Dear Reader angelangt wären und das obwohl Cherilyn McNeil momentan in Berlin lebt und diese Stadt auch in dem Song „Bear“ fokussiert. Ganz ohne David Torr, der als Produzent in Johannesburg geblieben ist. Dafür mit Brent Knopf (ehemals Menomena) an den Tasten, Bläsern, Chören, Trommeln und allerlei Geräuschen und Samples. Die Songs tragen übrigens fast alle Tiernamen, was ohne Umschweife den Begriff Konzeptalbum ist Spiel bringt. Ja, „Idealistic Animals“ ist ein Konzeptalbum. Mit düsteren Texten auf Popsongs. Ein Ansatz, der aus der Hauptstadt stammen könnte. Ein ironischer Ansatz, in dem der Mensch nicht mehr und nicht weniger ist wie alle anderen Lebewesen. Auf den Punkt gebracht in „Man“, dem einzigen Song ohne Tiernamen. Der ist dann übrigens im instrumentalen Schlussteil auch gar nicht mehr so poppig wie man ihn anfangs wahrgenommen haben könnte. Absicht? Bestimmt! Überraschend? Nein! Dear Reader? Zu 110 Prozent! (dl)

p.s.: HIER gibt es einen Albumplayer auf der Seite der Künstlerin zum anhören des Albums.

Big Deal – Lights Out
Mute / Good To Go

Zwei Gitarren (akustisch und elektrisch), zwei Stimmen, keine Rhythmussektion. So einfach kann gute Musik sein. Der Amerikaner und die Engländerin setzten auf Zurückhaltung statt Pomp, auf Ruhe statt Sturm. Getragener Indie-Grunge, der umschmeichelt ohne sich aufzudrängen, nicht mehr loslässt ohne zu klammern und textlich so simpel ist, dass man fast von genial sprechen möchte. Ein großes Album. Hoffentlich nicht zu leise um aufzufallen. (ap)

Solyst – Solyst
Solyst ist Thomas Klein. Der ist seit 15 Jahren auch bekannt als der Schlagzeuger von Kreidler. Auf seinem Solodebüt bedient sich Klein denn auch der gleichen Grundkomponenten. Analoge Drums tragen elektronische Patterns. Nur hier lässt der Schlagzeuger sich und seinem Hauptinstrument mehr Spielraum, mehr Zeit. Langsam und hypnotisch setzt er die Rhythmen Schritt für Schritt zusammen und erzeugt einen Tribalismus, den er mit Kreidler so nie zustande gebracht hätte. (ap)

Howling Bells – The Loudest Engine
Cooking Vinyl / Indigo

Drittes Album der Australier und Wahlengländer, die trotz Tourneen als Vorband mit The Killers, Placebo oder Snow Patrol eher unbekannt sind. Liegt sicherlich am unspektakulären Indie-Rock, der, obwohl er Blues, Country und psychedelische Elemente aufweist, doch recht austauschbar klingt. Da helfen selbst die schönen Umschreibungen wie Indie Noir oder Country Goth wenig. (ap)

Tonia Reeh - Boykiller
Cloud Hill Ltd.

Tonia Reeh ist Monotekktoni. Oder auch als Sängerin und Gitaristin der Indie Band Masonne bekannt. „Boykiller“ ist nicht nur ein weiteres kreatives Ventil, sonder zeitgleich auch musikalische Rückbesinnung für die ausgebildete Pianistin und Sängerin. Die singt sich nur zu Klavierbegleitung zwischen glockenklar und heiser kreischend durch ein Album, das sich zwischen Pop, Klassik und Soul so gar nicht einordnen lassen will und muss. (ap)

Amsterdam Klezmer Band - Katla
Essay Recordings

Klezmer as Klezmer can. Der Name ist Programm. Überraschungen gibt es hier nicht viele. Balkan, Gypsy, etwas Ska und viel Klezmer eben. Immerhin virtuos gespielt, sticht die Amsterdam Klezmer Band aus der Flut der „Bucovina“-Veröffentlichungen angenehm heraus. Freunden des Genres uneingeschränkt zu empfehlen. (ap)

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