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# 66 |
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Mittwoch, 1. Dezember 2010 |
VORWORT
Wenn ihr euch mal etwas Gutes tun wollt, zieht los und besorgt euch ein gut abgehangenes Stück Rindfleisch vom Metzger um die Ecke. Der Körperteil ist fast egal, die Wade tut es genauso wie die Lende. Dann noch vom Gemüsemann eine Tüte fest kochender Kartoffeln und eine Handvoll grüner Bohnen. Den Rest habt ihr wahrscheinlich daheim. Und jetzt wird gekocht.
Zuerst schneidet ihr das Fleisch in Würfel von der Größe eines Golfballs. Halt, erst macht ihr einen kräftigen Rotwein auf und nehmt einen ordentlichen Schluck. Der Rest kann erstmal atmen oder was Wein eben in der Flasche so macht. Idealerweise habt ihr mindestens drei Flaschen vom gleichen Wein, weil ihr schon eine zum Kochen braucht. Zurück zum Fleisch: Ihr habt jetzt vielleicht vierhundert Gramm gewürfeltes Rind und legt das in eine Schale, die ihr mit Wein auffüllt. Damit dürfte bereits die halbe Flasche leer sein, noch einen Schluck für den Koch, dann passt das. Während das Fleisch im Wein liegt, schält ihr zwei Knoblauchzehen, hackt drei Zwiebeln, legt euch ein Lorbeerblatt zurecht und bindet ein Sträußchen aus Kräutern der Provence. Für Angeber: ein Bouquet garni. Die Bohnen könnt ihr auch schon mal waschen und die Spitzen abschneiden. Jetzt mit einem Schluck Wein rasch Mut angetrunken, denn Fleischzubereitung ist eine aufregende Sache: Gebt reichlich Olivenöl in eine schwere und tiefe Pfanne oder einen gusseisernen Topf und lasst es heiß werden. Zwei der drei Zwiebeln rein und leicht anbräunen lassen, dann das Fleisch – ohne den Wein – dazu und scharf anbraten. Wenn es von allen Seiten Hitze bekommen hat, schmeißt ihr den Knoblauch, das Lorbeerblatt und die Kräuter hinterher, röstet diese kurz mit an und kippt den Wein, in dem ihr das Fleisch gebadet habt, über das Ganze. Noch einen Schluck aus der Flasche genommen, den Rest schüttet ihr ebenfalls in den Topf und kocht das dann unter stetem Rühren auf. Bevor es sprudelt, dreht ihr die Hitze auf mittlere Höhe runter und gebt Salz, Pfeffer, wenn ihr wollt Tomatenmark, auf jeden Fall aber, sagen wir mal, hundert Gramm Butter dazu und macht den Deckel drauf. Jetzt könnt ihr die nächsten ein bis zwei Stunden entweder die Kartoffeln und Bohnen zubereiten, euch ein paar Folgen Futurama auf DVD anschauen oder Sex haben. Mit ein bisschen Übung gehen auf jeden Fall zwei der drei Dinge. Für das Kartoffelgratin jedenfalls heizt ihr den Ofen auf 200 Grad vor, schält die Kartoffeln und hobelt sie in Scheiben. Die schichtet ihr dann in eine mit Butter gefettete Auflaufform und salzt und pfeffert jede Lage. Etwas Muskat schadet auch nicht. Wenn ihr fertig seid, gießt ihr Sahne über die Kartoffeln, bis diese bedeckt sind, gebt geriebenen Käse drüber und schiebt es für eine Stunde in den Ofen. Jetzt ist die perfekte Zeit, die zweite Flasche Wein zu öffnen und eine Zigarettenpause einzulegen. Tischdecken nicht vergessen, denn gleich gibts Essen. Erst müssen aber noch die Bohnen gemacht werden. Dazu einfach die restliche Zwiebel in Öl anschwitzen, die Bohnen dazu geben und ein wenig gehacktes Bohnenkraut, Pfeffer, Salz, ein Glas Wasser drüber und das dann etwa 15 Minuten kochen lassen, bis die Flüssigkeit fast weg ist. Wenn ihr gut wart, ist jetzt das Gratin fertig, der Rotwein zu einer dicken Soße eingekocht und die Bohnen noch bissfest. Sofort auf den Tisch und die Teller damit, die dritte Flasche Wein entkorkt, zugreifen, euch loben, lieben, anhimmeln lassen und euch vollessen. Guten Appetit!
Und das Beste daran: Wenn man auf diese Art gemeinsam fett wird, fällts weniger auf.
Euer Thomas
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