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MUSIK

So war: on3 Festival 2010
Mittwoch, 1. Dezember 2010
Eichstätt, Montreal, Wolfratshausen, Seattle, Erlangen und London - bereits die Heimatstädte der Bands und Künstler beim diesjährigen on3-Festival verdeutlichen den Anspruch der Veranstalter junge Talente nicht nur in den Pop-Metropolen der Welt zu rekrutieren, sondern auch in direkter Nachbarschaft. Ein Konzept, das seit Jahren aufgeht, denn auch 2010 war das Festival in den Studios des Bayerischen Rundfunks wieder ganz schnell ausverkauft.

Über Qualität entscheidet bekanntlich nicht die Herkunft. Zwar führen Netzwerkeffekte meistens dann doch dazu, dass Bands mit Ambitionen früher oder später in den Musik-Hauptstädten landen, am Anfang von vielen „Karrieren“ steht aber eben doch das kleine Nest irgendwo in der Pampa mit schlechter Verkehrsanbindung und schwacher Plattenladen-Infrastruktur. Kommt die Musik nicht nach Hause, muss man eben zur Musik kommen und auch deswegen haben sich die kreative Zentren in Bayern über viele Jahre unter anderem in Hersbruck, Ingolstadt oder Weilheim entwickelt und weniger in der Landeshauptstadt.

Apropos Weilheim: Mit Notwists Martin Gretschmann alias Console steht in diesem Jahr auch gleich ein Vertreter des südbayerischen Indiepop-Mekkas auf der Bühne. Leider wollen den Vorzeige-Frickler so viele Menschen sehen, dass viele Besucher gar nicht erst in den Saal vordringen. Trotz der beschränkten Zahl an verkauften Tickets ist dies vielleicht eines der größten Probleme des on3-Festivals: Wer sich nicht rechtzeitig während den Umbaupausen vor den Bühnen postiert, muss sich meist damit abfinden, die Auftritte irgendwo im Gedränge des jeweiligen Ein- und Ausgangs zu verfolgen. Während sich das Publikum in früheren Jahrgängen über die zahlreichen Bühnen verteilt hat, konzentriert sich diesmal alles auf drei Räume.

Bei Joasihno aus Eichstätt, der den Abend im in diesem Jahr erstmals bespielten Chorprobensaal eröffnen darf, gestaltet sich die Situation noch etwas erträglicher. „Geloopter Multiinstrumentalistenindiepop“ heißt es im Programmheft und das trifft es schon sehr gut. Wer sich in der Vergangenheit bereits in Bands wie Lali Puna, Electric President oder Múm verliebt hat, wird bei der wärmenden Indietronic-Nummer von Cico Beck zwar nicht viel Neues entdecken, aber mit diesen Referenzen lässt es sich vermutlich ganz gut leben. Bei Panda People fällt das mit den Referenzen schon etwas schwerer und auch die Schublade in die man sie stecken will (Disco-Glam-Pop), springt immer wieder auf. Zu Beginn ihres Sets gibt es das brandneue Video zu ihrem ersten Hit „Flashback“ zu sehen, anschließend folgen 20 Minuten Synthie-Pop, denen man sich einfach nicht entziehen kann, egal wie kitschig die Nummern rüberkommen. Wenn das nicht mal bald durch die Decke geht…

Durch die Decke gehen vielleicht auch bald die kanadischen Born Ruffians, die mit ihrem vertrackten Retro-Gitarrenpop den wahrscheinlich besten Auftritt des Abends hinlegen. Da stimmt einfach alles und unterstreicht mal wieder, dass sich gute Musik einfach nicht analysieren und auseinandernehmen lässt. Sänger und Gitarrist Luke LaLonde sieht aus als wäre er in den 1950ern hängen geblieben (obwohl er das Jahrzehnt natürlich nicht live miterlebt hat) und klingt dennoch wie die Zukunft des Gitarrenpops. Erinnert stellenweise an eine verspielte und lässigere Version von Vampire Weekend. Im Vergleich zu den Alben wird alles etwas rotziger gespielt, das hat Seele, das hat Groove, all die jungen Libertines-Klone könnten sich hier ein wenig Coolness abschauen.

TEXT UND FOTO: SEBASTIAN GLOSER

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