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ALEXA'S (von wegen Retro - Vintage!)
Freitag, 3. September 2010
curt hat die 55-jährige Alexa besucht und ausgehorcht, über das München von vor 30 Jahren … // Utzschneiderstr.10 // alexas.de

curt: Alexa, wie war München früher?

Alexa: In meiner Kindheit sah München noch ganz anders aus. Jedes zweite Haus war eine Ruine. In den 70ern, als ich ein Teenie war, galt die Leopoldstraße als Spot. In Schwabing gabs viele Tonstudios, die Stones und viele andere große Bands nahmen ihre Platten hier auf. Die Szene war super, alles war psychedelisch und im Englischen Garten gab es Picknicks mit den Hippies – eine tolle Zeit!

curt: Wie bist du zu deinem Laden gekommen?

Alexa: Ich war immer schon eine leidenschaftliche Sammlerin und ging oft auf den Dachauer Flohmarkt. 1982 eröffnete ich im damaligen Wolkenhaus in Schwabing meinen ersten Laden. Den jetzigen habe ich seit 25 Jahren.

curt: Wer kauft bei dir ein?
Alexa: Alle zwischen 15 und 75 Jahren – Künstler, Sammler, Undergroundler, … Vor einiger Zeit wollte noch jeder eine schwarze Biker- oder Punkerjacke, die Mod-Mädchen ein originales 60s-Kleidchen und die Teds ein 50s-Shirt. Heute verkaufe ich nicht mehr „Secondhand“, sondern „Vintage“. Seit fünf Jahren habe ich auch einen Fundus in Salzburg mit Kostümverleih. Im Rosenmüller-Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ sind nahezu alle Kostüme von mir.
In seinem neuen Film „Orange“ auch recht viele.

Doch die Schauspieler hatten teils gar nichts oder nur eingefärbte Unterwäsche an. Das war gar nicht so leicht! Der Film ist typisch Rosenmüller – eine Tragikkomödie, in der jeder sein Fett abkriegt.

curt: Wie denkst du über die Jugend von heute?
Alexa: Jedes Jahrzehnt hat seine wilden Zeiten. Doch heute scheinen die Partys viel exzessiver abzulaufen. Wenn ich morgens mit dem Hund rausgehe, sind die Straßen oft voller Glasscherben. Die Jugend braucht offenbar mehr Dröhnung. Wir hatten ein- oder zweimal im Monat ne coole Party z. B. in der Kultfabrik oder gingen auf Konzerte in die Alabamahalle oder Theaterfabrik. Klar, wurden viele Drogen konsumiert, vielleicht sogar zu viele. Aber Glasscherbenwüsten haben wir nicht hinterlassen.

curt: Wohin gehst du heute aus?
Alexa: Ins Pimpernel, wenn z. B. DJ Tomahawk und Balu auflegen. Dann gibts nur Vinyl-Scheiben! Manchmal bin ich im Platzhirsch, wenn Gringo von den Freaky Fukin Weirdoz auflegt oder der Felli, der frühere Palme-Chef. Die Palme war ein Kultladen! Eine Punkkneipe mit Kicker, Erdnüssen aufm Tisch und Erdnussschalen aufm Boden.

curt: Vermisst du etwas von damals?
Alexa: Nein, mit über 50 hat man ja alles schon mal mitgemacht. Und ganz ehrlich – die Gespräche nach dem dritten Bier sind auch die gleichen wie damals …


Utzschneiderstr.10 // alexas.de


Artikel erschienen in Ausgabe #65
TEXT & Foto: Angela Sandweger



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