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MUSIK

Im Gespräch: AMOS
Samstag, 28. August 2010
Schillernd, glitzernd, aufregend. So kennen wir ihn. Amos, den deutsch-iranischen Musiker und Künstler aus München, der zuletzt mit „MTV is killing me“ Aufsehen erregte. The Imperator of Pop is back. Jetzt erscheint sein neues Album: „Showtime“. Andere würden sagen, Amos ist erwachsen geworden. Ich sage, er macht einfach das, wonach ihm ist.

Showtime ist rocklastiger, mit einer winzigen Prise Pop, inspiriert durch die Rockgrößen der 80er und mit der richtigen Amos-Mischung ein Muss für das Plattenregal. Ja. Plattenregal, weil das neue Album auch als LP erscheint, designed von zahlreichen nationalen und internationalen Künstlern. Alles Einzelstücke.

Zu erwerben ist die LP und die Musik als Download hier


curt: Wofür steht AMOS?

AMOS: Das lässt sich nicht genau sagen. Als Mischlingskind habe ich von Beginn an zwischen den Stühlen gesessen. Bei AMOS ist der Rahmen zwar abgesteckt – im Kern geht es um Musik –, aber schon der ist nicht eindeutig. Es war nie mein Interesse, mich zu einem Sound zu bekennen. Mein erstes Album war Pop, das zweite elektronisch, das dritte wird Rock. Ich mische Ernstes mit Seichtem, Niveau und Geschmacklosigkeit, Pop- mit Subkultur. Dabei geht es mir um viel mehr als Musik. Um Ideen. Um Freiheit. Von Erwartungen, Konventionen (und zwar in alle Richtungen), von mir selbst und zu guter Letzt um Qualität. Meine Arbeit als Designer und ein sehr gutes Team – allen voran mein Label Sounds of Subterrania aus Hamburg – hilft mir, diese Ideen originär und unverfälscht umzusetzen.

curt: Konnte man bei „The Imperator of Pop“ ein Video von seiner CD-Zerstörungsaktion schicken, um im Gegenzug dein Album zu erhalten, so lässt du bei „Showtime“ über 450 nationale und internationale Künstler dein Cover gestalten. Wie wichtig sind solche Synergien für deine Arbeit?

AMOS: Ich beziehe Vertrieb und Bewerbung meiner Musik in den Kreativprozess mit ein. Es ist mir wichtig, dass ein Album, in dem sehr viel Schweiß und Herzblut steckt, intelligent präsentiert wird. Darüber hinaus mag ich es sehr, wenn andere etwas Unabsehbares beisteuern. Den Ideen zu „Playback Payback“ und jetzt „Showtime“ liegt jeweils der Inhalt der Musik zugrunde und die Vision, gemeinsam etwas Größeres daraus zu machen. Das hat mit Marketing (diesem Vorwurf muss ich mich leider stellen) nichts zu tun, sondern damit, eine Basis zu finden, auf der man sich gegenseitig abfeiern und beflügeln kann. Das hat bei „Playback Payback“ nicht so gut funktioniert wie bei „Showtime“, von der derzeit alle Beteiligten profitieren, auch aufgrund sehr fairer Modalitäten. Die Entwicklung ist so überwältigend, dass ich es als Auszeichnung empfinde, hier mittlerweile nur eines von vielen Puzzleteilen zu sein.

curt: Du bist nicht nur Musiker und Künstler, sondern auch Designer. Wie würde dein eigenes Albumcover aussehen? Du darfst gerne Papier und Stift zur Hand nehmen!

AMOS: Lieber nicht! Zwar habe ich bisher das Design meiner Artworks und Videos zum größten Teil selbst gemacht. Das war einfach, solange ich bei der teils klischeehaften Ikonisierung meiner Person als Designer distanziert arbeiten konnte. In „Showtime“ steckt jedoch mehr Persönliches. Mit der Art der Musik kehre ich zu meinen vergleichbar unprätenziösen Rocker-Wurzeln zurück, arbeite mit befreundeten Musikern aus meiner Heimatstadt zusammen. Das macht es schwieriger, von außen zu betrachten und zu bebildern. Zudem verbindet die gesamte Album-Aktion meine persönliche Balance aus Musik und Kunst derart komplett und ausführlich, dass ich dem nichts mehr hinzufügen kann.

curt: „Showtime“ unterscheidet sich sehr von deinen anderen Alben. Der Song „Love Between Men“ erinnert an Queen. „White Snow“ ist ein reines Instrumentalstück und mit „Supersonnig“ singst du auch zum ersten Mal auf Deutsch. Was war deine Inspiration für Musik und Text bei „Showtime“?

AMOS: Inhaltlich ist jeder Song für sich ganz unterschiedlich inspiriert. „New York City“ ist Ergebnis durchwachsener Erfahrungen vor Ort. „Showtime“ beschreibt die Schattenseiten der Selbstdarstellung, „Love Between Men“ entstand für einen Film, in dem die weibliche Hauptrolle fehlte. Ich verstehe ihn aber auch als Störer in einer noch immer mindestens latent homophoben Gesellschaft. Und „Supersonnig“ liegt die materielle Unersättlichkeit im Zuge der Finanzkrise zugrunde.

Musikalisch war ich anfangs vom Wunsch getrieben, ein konsequentes 80er-Jahre-Rock- Album zu machen. Davon habe ich mich im Laufe der Produktion aber zugunsten einer größeren Diversität und zur Stärkung der einzelnen Songs entfernt.

curt: In einem Interview hast du gesagt: „Es gibt nichts Langweiligeres als Eindeutigkeit.“ Du bist nicht nur auf der Bühne ein Meister der Selbstinszenierung, sondern auch in deinen Musikvideos. Kannst du uns schon verraten, wie das neue Video aussehen wird und welcher Song die Ehre hat, dein erstes Musikvideo von „Showtime“ zu sein?

AMOS: Ich werde mich auch weiterhin darum bemühen, mich selbst und andere (gerne auch negativ) zu überraschen. Momentan gibt es eine engere Auswahl an videowürdigen Songs. „My Appartment“ würde ich gerne als Fortsetzung von „Bla Bla“ drehen. „Love Between Men“ könnte visuell sehr delikat aufbereitet werden. Darüber hinaus wird Fotograf und Filmemacher Tobias Knipf die Tour im September dokumentieren.

curt: Der letzte Track deines Albums heißt „The Last Song“. Es wird nicht wirklich der letzte sein, oder?

AMOS: Irgendwann bestimmt.



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TEXT: Melanie Leyendecker

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