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# 63
Donnerstag, 3. September 2009
VORWORT

Diesen Winter wurde ich von einem Auto angefahren. Ich stand auf dem Gehweg vor einem Zebrastreifen und wollte den Fahrer noch vorbeilassen, da fuhr er mich einfach um. Ich kann mir nicht so recht erklären, wie man einen auf einem Gehweg stehenden Fußgänger überfahren kann, aber es geht.
Vielleicht gibt es Spezialkurse der Autofahrerpartei, in denen man das lernen kann. Der Fahrer hat sich wahrscheinlich irgendwie provoziert gefühlt, das kommt schließlich mal vor, man muss da wohl Verständnis aufbringen. Ich habe von der ganzen Sache eigentlich wenig mitbekommen, nur das heranfahrende Auto, ein Hupen, einen Knall und weg war ich. Schwärze …

Als ich die Augen öffnete, stand ich in einem Park vor einem goldenen Zaun mit einem Tor darin. Hinter dem Zaun wuchsen allerlei Pflanzen, von denen ich die meisten noch nie gesehen hatte. Wunderschön, die ganze Szenerie. Das Tor ging auf und – was soll ich sagen, es klingt jetzt wie ein Klischee – ein Mann kam raus, bei dem auf den ersten Blick klar war, es handelt sich um den lieben Gott. Ich fragte zur Sicherheit aber noch mal nach. „Wo bin ich hier? Was mache ich hier? Und wer sind Sie?“ Der Mann lächelte mild und antwortete „Thomas. Du weißt, wer ich bin. Und du weißt auch, wo wir hier sind. Ich bin (und ich schwöre, er machte eine kleine Pause, um den Effekt zu verstärken) … Gott.“ Ich erschauerte. „Du bist überfahren worden“, stellte Gott fest. Ich nickte stumm und als ich an mir herunterblickte, um meine Verletzungen zu begutachten, merkte ich, dass ich völlig nackt war. „Wo sind meine Klamotten? Warum bin ich nackt? Bin ich tot?“ „Beruhige dich, Thomas. Da waren überall Reifenspuren auf deinen Sachen, das sieht nicht so gut aus hier. Und wir hatten gerade nichts in deiner Größe da, also bist du halt nackt. Aber sei beruhigt, ich habe dich ja geschaffen, ich weiß wie du aussiehst. Und außerdem stehe ich mehr auf Jungfrauen, mach dir keine Sorgen.“ „Ja und? Muss ich jetzt hier bleiben, oder was? Ich wollte im Frühjahr meinen ersten Baum pflanzen, echt jetzt!“ „Thomas ... (schon wieder diese Kunstpause). Deine Zeit ist noch nicht gekommen. Ich dachte mir einfach, jetzt, wo ich die Gelegenheit habe, hole ich dich kurz hoch und wir lernen uns kennen.“ „Ach so. Und jetzt?“ „Nichts. Mach einfach weiter so. Und immer sauber bleiben.“ „Das ist alles?“ Gott nickte. „Das ist alles. Jetzt kannst du wieder zurück. Aber vorher kommt noch der Engelschor und singt für dich. Wird dir gefallen, unser Chor. Nur junge Frauen, überirdisch hübsch und mit phantastischen Stimmen, außerordentlich talentiert, allesamt. Du machst dir aber besser die Hand vor den Schritt, könnte sonst irgendwie peinlich werden.“ Gott schritt zur Seite und wartete. Ich hörte schon fernen Gesang und bedeckte mich, wie geheißen, da wurde auf einen Schlag alles schwarz. Ich öffnete meine Augen und lag wieder auf der Straße, halb unter dem Auto, das mich angefahren hatte. Einige Leute standen um mich herum, schüttelten mich, fragten, ob alles in Ordnung sei, schauten erschreckt. „Danke fürs Kümmern, aber hättet ihr mit der Reanimation nicht noch ein wenig warten können, verdammt?“ Die Leute schauten verwirrt. Ich stand auf, klopfte mir den Schnee von den Klamotten und ging enttäuscht fort, ok, ich habe überlebt. Aber den Chor hätte ich schon noch gerne gesehen. Vielleicht war das alles ja genau so geplant und ich sollte die Engel nie sehen, wer weiß das schon …

Also denkt dran, immer sauber bleiben.

Euer Thomas

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