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MUSIK

Gehört: Massive Attack - Heligoland
Donnerstag, 4. Februar 2010
Wie ist das eigentlich mit dem TripHop heutzutage? Besser gefragt: Was ist TripHop eigentlich? Das neue Album von Massive Attack hat mit dem Genre, für das die Band berühmt geworden ist, jedenfalls nur noch am Rande zu tun.

++ Vielleich könnte man das TripHop-Thema ja gleich eingangs mit der Bemerkung abschließen, dass die Klanggebilde auf „Heligoland“ durchaus eine Atmosphäre erzeugen, wie damals „Blue Lines“ oder „Protection“: Tiefgehend, nachdenklich, ruhig, malerisch.

Mit Beginn des Orgel-Intros vom Opener „Pray For Rain“ sollte man sich aber die Distanz genehmigen, das Album ohne die vergangenen musikalischen Einflussnamen der Band zu betrachten. TV On The Radios Tunde Adebimpe verleiht dem aus entspannten Schlagzeug-Loops, jazzigen Pianoakkorden, einem „angefunkten“ Basslauf und verzerrten Gitarrenakkorden aufgebautem Arrangement eine ganz faszinierende Note, deren Melancholie sich im Chorus in mehrstimmig umgesetzten Gesangschöre für einige Augenblicke in eine Art Aufbruchsstimmung verwandelt.

Das man zusammen mit Tricky und Portishead eine auch nach all den Jahren ungebrochene Familienfreundschaft pflegt, zeigen Gastspiele von Martina Topley-Bird (u.a die Stimme von Trickys „Maxiquaye“) oder Adran Utley (Gitarrist von Portishead). Zum Beispiel beim vorletzten Stück „Saturday Come Slow“, einer sagen wir noise-akustisch basierten Indie-Ballade, die außerdem von Blurs Damon Alban gesanglich in eine andere Sphäre versetzt wird. “Lost In The Magic“ - die erste Zeile des Textes als Sinnbild, das durch Mark und Bein geht.

Möglicherweise ist „Heligoland“ nicht so homogen wie frühere Werke von Massive Attack. Homogen im Sinne eines Gesamtwerkes mit einem durchgehenden Flow. Daran stört man sich aber überhaupt nicht beim Durchlauf - im Gegenteil: Frikelige Beat- und Soundzerlegungen wie bei „Flat Of The Blade“ oder Momentaufnahmen aus popigen Gefilden („Paradise Circus“) werden durch die Herangehensweise von Robert "3D" del Naja und Grant "Daddy G" Marshall - womit wir irgendwie doch wieder beim „früher“ gelandet wären - in eine letzten Endes wesentlich rundere als eckige Einheit überführt, die aber eben dank des Eckigen mehr als in der Neuzeit angekommen ist. Großes Kino!

(dl)

Massive Attack - Heligoland
EMI
5. Februar


Stream zum Album.
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