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MUSIK

So war: Air in der Tonhalle
Montag, 1. Februar 2010
„Merci Beaucoup“. Viel mehr sagten Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel nicht. Sie ließen ihre Musik sprechen. Und verzauberten alle Anwesenden.

++ Samstagabend: Auf dem Weg zum Optimolgelände sind die Straßen von Teenagern gesäumt, die sich scharenweise den bevorstehenden Partyabend in einer der umliegenden Großraumdiskotheken schön trinken. In ihrem Slang heißt das natürlich „vor trinken“. Aber vielleicht ist es ja der Meisterplan, später nicht mehr so genau zu wissen, warum man wo einkehrt und obs da Spaß macht oder man sich eigentlich selbst dafür hasst, immer wieder in derartigen „Das-Leben-ist-schön-und-wir-machen-jetzt-alle-Remmidemmi-Simulationshallen“ zu landen.


Die Klänge beim Betreten der Halle kommen von der britischen Ex-Punkband-Gründerin (Scrappy) George Pringle, die zu einem elektronisch dominierten Playback eine Mischung aus Spoken Word und Gesangsfetzen zum Besten gibt. Gesanglich erinnert das ziemlich an Anne Clark. Mutig, so alleine auf der großen Bühne. Und dafür gibt es auch warmen Applaus von all denen, die bereits im unmittelbaren Bühnenbereich angekommen waren. Der Weg zum Bierstand ist allerdings näher. Also erstmal eine Halbe. Paulaner. Muss das sein? Ja. Wenigstens ist es aus dem Fass. Also Prost.

Ein paar Minuten Umbau und dann kommen Nicolas Godin und Jean-Benoît „JB“ Dunckel samt Schlagzeuger und eröffnen ihr Konzert mit „Do The Joy“ und „Love“ vom aktuellen Album „Love 2“. Man beginnt, sich fallen zu lassen. Das geht schnell. Erstens ist der Sound unglaublich gut. Zweitens spielen die drei Herrschaften auf der Bühne, ausgestattet mit Bass, Akustikgitarre, Drumset, Gesangsmikros (auch für die Stücke, die auf Platte von Gastsängerinnen performt werden), Vocoder und jeder Menge analoger Tasteninstrumente und Synthesizer von Moog über Wurlitzer bis Rhodes, einen Groove zusammen, das alles zu spät ist. Unglaublich tight und trotzdem mit einem entspannten Lächeln und einer Leichtigkeit dargeboten, die ihresgleichen sucht. Untermalt wird die Darbietung auf einer riesigen Leinwand hinter den Musikern von dezent eingesetzten Visuals, die mal eine sich bewegende Wolkendecke, mal ein „Goldregen“, mal den Schriftzug der Band zeigen, aber nie vom Wesentlichen ablenken, sondern lediglich seine Wirkung auf den Punkt bringen. Soundso braucht es weder irgendwelche Ansagen (mit Ausnahme einer Aufforderung zum Mitsingen eines „französischen“ Liedes, dem das gepfiffene „Alpha Beta Gaga“ folgt), noch den Arrangements aufgesetzte „Party-Passagen“. Vielleicht so etwas wie die Macht der leisen Töne. Falls man das über ein Livekonzert überhaupt sagen kann. Eigentlich kann man das schon. Zumindest bei diesem Konzert.

Es sind viele Songs der neuen Platte zu hören, aber auch „Sexy Boy“, Kelly Watch The Stars“ und das faszinierend umgesetzte, instrumentale „Playground Love“ sind dabei. Distanziert und trotzdem so nah. Zerbrechlich und gleichzeitig unkaputtbar. Irgendwie ist es auch egal, welcher Song gerade gespielt wird. Man ist längst im Kosmos von Air angekommen. Ist im Einklang mit sich und dem was einem entgegenschallt. Ist verzückt. Der Kreis schließt sich. Ein Kunstwerk. Gesamtkunstwerk. Unterbrochen leider und lediglich durch das ständige Zücken von Videokameras oder Handys in der Nachbarschaft. Die haben hier mal einfach überhaupt keinen Auftrag. Sind aber wohl leider Sinnbild davon, dass sich manch ein Konzertbesucher mehr auf das Bild fürs Festplatten-Archiv, als auf das was man eigentlich mitnehmen sollte an einem solchen Abend, fokussiert. Und das ist definitiv die Musik.

(dl)

AIR Myspace.
AIR Video "How Does It Make You Feel"
AIR Video "Bathroom Girl"
AIR Video "Playground Love"

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