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Museum Brandhorst: |
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Dienstag, 8. September 2009 |
Dänische Eiche, 26.000 Pillen und 180° Panorama-Twombly in diffusem Licht. Das neue Brandhorst Museum auf dem Kunstareal nahe den drei Münchner Pinakotheken bietet ein Kunsterlebnis auf gleich sieben Ebenen. Und damit sind nicht „nur“ die drei Stockwerke gemeint.
Es erwarten den Besucher vielmehr beeindruckende und ausgesprochen polarisierende Gemälde für das erwartungsvolle Auge, die stets in möglichst viel Tageslicht getaucht sind. Auch Skulpturen von groß bis klein – quasi zum Anfassen – fordern die Sinne. Das Ohr wundert sich zwar beizeiten, dass es so himmlisch leise ist, kann sich dann aber ausgelassen darüber freuen, dass die Videoinstallationen ohne Straßenlärm und Besuchergetrampel genießbar sind. Dafür sorgt nämlich zum einen die ausgeklügelte Fassade mit dem hinter den 36.000 Keramikstäben versteckten Lochblech und zum anderen der aus dänischer Eiche gefertigte Boden. Eine schallschluckende und blicklockende Kombination, die gefällt.
Die nächste Ebene der Wahrnehmung führt uns zu dem Gefühl, das einen einnimmt, wenn man die prächtigen Räume durchschreitet und vorbei an den mächtigen Treppen nach oben oder unten schielt. Für den beschränkten Platz mitten in der Stadt wirkt das Museum allerdings erstaunlich offen und hoch. Man fragt sich, wie, wenn nicht über die Treppen, all die Großformate an ihren Platz kamen. Des Rätsels Lösung: Erweiterbare Durchgänge und ein Spezial-Kran. Wer sich das nicht fragt, geht einfach weiter, vorbei an der Plastik einer Geburt, einem Kunstwerk Warhols, bei dem die Spuren darauf wohl durch Urin entstanden sind, vielen mit Versen versehenen Rosen und „Ausflüssen“ aller Art. Dabei lässt einen so einiges auf der Stelle umkehren oder lieber schnell weitergehen. Man merkt jedenfalls, dass bei der künstlerischen Kombination der insgesamt 150 Stücke nichts dem Zufall überlassen wurde.
Großer Wert bei der Ausgestaltung der Räume wurde jedenfalls auf den Dialog von verschiedenen Kunstwerken gelegt, weshalb die meisten Räume von unterschiedlichen Künstlern gefüllt sind. Besonders hervorzuheben ist dabei natürlich als allererstes Cy Twombly, Inhaber des kompletten Obergeschosses und seines Zeichens Lieblingskünstler der Namensgeber Anette & Udo Brandhorst. Andy Warhol, Eric Fischl und Alex Katz mit ganz eigenem Raum in der Sammlung sind ebenso vertreten wie der wohl erfolgreichste Gegenwartskünstler Damien Hirst. Noch mehr Pop-Art findet sich mit Werken von Christopher Wool, Mike Kelley, John Chamberlain und Robert Gober hauptsächlich im Untergeschoss.
So hat das neue Museum Brandhorst im Kunstareal München seine Gegner Berlin, New York & Co. also erfolgreich ausgestochen und bereichert nun dort in hohem Maße die europaweit fast einzigartige Vielfalt moderner amerikanischer Kunst. Bleibt nur noch abzuwarten, wer als erstes eine der 26.000 Pillen stibitzt oder sich als Andenken einen der Keramikstäbe abschraubt. Denn das Gebäude, genauso wie die Sammlung suchen wahrlich ihresgleichen – nicht nur auf deutschem Boden.
Dass ein Museum für eine Kunstsammlung gebaut wird und nicht, wie üblich, anders herum, gibt dem Ganzen dann noch den letzten Funken Außergewöhnlichkeit. Schaut es euch selbst an und freut euch schon mal darauf, wofür wohl die nächsten zwei Millionen Euro Jahresbudget verwendet werden.
Museum Brandhorst // Kunstareal München // Theresienstraße 35 a
TEXT UND FOTO: SEBASTIAN HOFER; Artikel erschienen in Ausgabe #61
KAYLIE | 07.09.2009 | 12:54 Super Aktion! |
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