Ohne Musik geht's einfach nicht, vor allem nicht in der curt-Redaktion. Die folgenden Platten waren nicht nur einmal Inspirationslieferant und werden auch in Zukunft noch öfters auf Dauerschleife laufen. Ohrenschmausgarantie von: Mos Def, Major Lazer, Wild Beasts, Dial M for Murder! und Port O'Brien.
MOS DEF - THE ECSTATIC
VÖ: 21. August // Cooperative
Ob Boogie Man, Black Dante oder The Freaky Night Watchman: der New Yorker MC Mos Def hatte in den 90er Jahren für jeden Anlass das passende Pseudonym parat. Er konnte sich das Spielchen mit den Künstlernamen freilich leisten. Mos Def war einer der wenigen Alternative-Rapper, denen man damals Langlebigkeit attestierte. Zusammen mit Talib Kweli war er dann auch noch das Hip-Hop-Duo Black Star, welches als möglicher Thronfolger von A Tribe Called Quest gehandelt wurde. In diesem Jahrzehnt sorgte Mos Def vor allem als Schauspieler an der Seite von unter anderem Halle Berry und Heath Ledger für Aufsehen. Erst seit 2004 gibt’s wieder Mos Def Alben. Sein viertes heißt jetzt „The Ectstatic“ und kommt dank großer Raps, genauso großem Sampling und natürlich Gästen wie Slick Rick oder Kweli ganz ohne poppigen Zusatz aus. Amerikanischer Hip-Hop, so schön wie früher.
TEXT: Erik Brandt-Höge
MAJOR LAZER - GUNS DON'T KILL PEOPLE...LAZERS DO
VÖ: 03. Juli // Cooperative
„Guns Don‘t Kill People ... Lazers Do“ gleicht einem Marktplatz, auf dem buntes Allerlei angeboten wird: Grime und Surf, Punk und Hip-Hop, House und Dub, Reggae und Techno. All dies vermischt sich am Ende zu aufregend energiegeladenem Dancehall. Switch und Diplo, die beiden Köpfe hinter Major Lazer, haben dazu ein krudes Sammelsurium junger jamaikanischer Künstler zusammengesucht: Newcomer, bekannte Musiker wie Mr. Vegas und Ward 21, genreüberschreitende Künstler wie Santigold und Amanda Blank. Wenn man mehr an schweißtreibendem Dancehall als an emanzipierten Inhalten interessiert ist, wird man von dieser Scheibe nicht enttäuscht werden.
TEXT: Paul Pötsch
WILD BEASTS - TWO DANCERS
VÖ: 04. September // Domino
Bei der Fülle von Neuveröffentlichungen im Indie-Bereich blickt man eh nicht mehr durch, da muss man schauen, dass man zumindest die wichtigsten nicht verpasst. Die zweite Platte der Wild Beasts ist eine derjenigen, um die viel zu wenig Wirbel gemacht wird. Im Gegensatz zu einem Großteil der aktuellen Chartführer verstehen die vier Engländer noch wirklich ihr Handwerk und säuseln, teils in Falsett, ihre Mixtur aus rockigem Ambient und melodischem Folk-Pop, was sie selbst im Resultat als Erotic Downbeat Music bezeichnen.
TEXT: Max Brudi
DIAL M FOR MURDER! - FICTION OF HER DREAMS
VÖ: 14. August // Tapete
Beim ersten Hören klingen Dial M For Murder! nach einer tanzbaren Lo-Fi-Version von Interpol. Die beiden Schweden liefern mit ihrem Debüt ein sattes Stück Retro ab, inspiriert von Post-Punk- und Dreampop-Ästhetik à la Joy Division und The Chameleons. Wie Interpol gelingt es dieser Band, innerhalb eines ziemlich düsteren Rahmens eine wohltuende Vielfalt einzubrigen und den Bogen zu spannen zwischen
schwermütigen und in gewisser Weise upliftenden Songs. Durch ein typisch reduziertes Setup, bestehend aus Gitarre, Bass, altem
Synthesizer und einem wohl noch älteren Drumcomputer, entsteht ein
ganz eigener Sound: Analog, dreckig, monoton und zugleich ansteckend melodiös. TEXT: Michael Döringer
PORT O'BRIEN - THREADBARE
VÖ: 25. September // City Slang
Das Projekt Port O‘brien startete 2005 im Schlafzimmer von Songwriter Van Pierszalowski und seiner Freundin Cambria Goodwin, die jedes Jahr den Sommer in Alaska auf Fischerbooten und in den zugehörigen Konservenfabriken verbrachten. Auf ihrem neuen album zeigt sich zwar Veränderung, menschlich sowie klanglich, man bleibt sich aber treu: unprätentiöser, akustischer Folk-Pop für Herz und Seele. DAS ist Musik, die berührt. Dazu braucht man keine dicken Bässe oder Neon-
Masken, sondern Gefühl und Geschichten vom Leben. 100 Sterne!
TEXT: Michael Döringer
Artikel erschienen in Ausgabe #61
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