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Gesellschaftsraum
Donnerstag, 28. Mai 2009
Hätte mir jemand gesagt, dass ich als Beilage rote Beete mit Pomelo und als Dessert Artischocken-Eiscreme bekomme, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Das Verrückte daran: Es war total lecker. Okay, über das Artischocken-Eis kann man geteilter Meinung sein, aber auf dem Dessertteller lag auch Mousse au Chocolat mit schwarzen Oliven auf Jasminerdbeeren und ein – bitte aufpassen – Myrthekokospannacotta mit Mango und Biereis! Angefangen hat alles mit kleinen Ingwer-Tomaten-Brötchen und pechschwarzem Salz ...

Was so wahnsinnig klingt, ist in Wirklichkeit nicht wahllos in den Kochtopf geworfen. Der Gesellschaftsraum-Chef Bernd Arold ist ein Geschmackjongleur. Mousse und Oliven passen nicht? Kann sein. Aber die herbsüße Schokolade harmoniert ganz außergewöhnlich mit der Würze schwarzer Oliven. Die Geschmackserlebnisse ziehen sich durch das ganze Konzept des Restaurants. Fisch und Fleisch kommen auf den selben Teller, dazu Gemüse mit etwas Fruchtigem. Eine Gabel schmeckt süßlich, beim nächsten Bissen knuspert es, beim dritten Mal denkst du nur noch: hmmm ... Kaninchenbrust wird in einen Brotteig gewickelt, mit Minzsteinbutt und weißem Pfirsichspargel serviert. Es gibt Rauchente mit Seeforelle oder als Hauptgang Salsiccia Knurrhuhn mit Ananasartischocken und Kaviarkartoffeln. In den Genuss dieser Leckereien wird aber wohl keiner mehr kommen, denn Chef Bernd Arold ist permanent dabei, mit seinem Küchenteam zu experimentieren und neue Kreationen zu zaubern. Die Karte wechselt somit regelmäßig und es gibt für Gäste und Köche viel Abwechslung. Spannend bleibt es auch für die Kellner – die müssen die Gerichte nämlich auswendig können.

Der Gesellschaftsraum ist ein schickes Restaurant mit Läufern und Servietten aus Stoff, aber kein Hoheitsgebiet der Anzugträger. Wer sein kurzes Schwarzes dennoch mal austragen möchte, ist genauso passend angezogen wie ein Jeansträger mit Turnschuhen.

Wir wollen nicht behaupten, wir wären vorbehaltlos zum Essen gegangen. Mit knurrenden Bäuchen saßen wir nach einem langen Redaktionstag dort am Tisch und hofften, satt zu werden. Am Ende haben wir uns gegenseitig rausgeschoben und vor lauter Gemütlichkeit und Schwärmerei auch noch fast die Jacken vergessen. Somit bürgen wir mit unserem guten Namen für unvergessliche Abende, leckeres Essen und eine tolle Atmosphäre in der Augustenstraße.

Gesellschaftsraum // Augustenstrasse 7 // www.der-gesellschaftsraum.de


Artikel erschienen in Ausgabe #60

TEXT: ANDREEA HULA; FOTO: STEFANIE HEIDER

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