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Ösi vs. Piefke
Freitag, 22. Mai 2009
Die Urlaubszeit steht an und somit werden auch dieses Jahr wieder Millionen Deutsche ins schöne Nachbarland Österreich pilgern und dort bei Sachertorte, Heurigem und Brettljause die atemberaubende Landschaft genießen. Jedes Jahr sind es nach Angaben des Autors Harald Schume 10 Mio. Deutsche, die in Österreich urlauben. Eine stattliche Zahl angesichts 8,2 Mio. Einheimischer.

Grund genug für uns, sich dem Thema „Wie komisch sind die Ösis wirklich“ anzunehmen. Ösi battlet Piefke und curt verlost 3 Bücher ...

Als die beiden Bücher „50 Dinge, die Sie über Österreich und die Österreicher wissen sollten“ und „50 Dinge, die typisch deutsch sind“ (Verlag Westend) in der curt-Redaktion eintrafen, kochten gleich zu Beginn die Gemüter hoch ob des brisanten Stoffes.

Speziell der Piefke-Bob und ich, das Ösi-Hasi, hatten einmal mehr unser Lieblings-Thema – Austria vs. Germany. Somit war auch klar, wer sich der Lektüre annehmen soll ...

Beim Erstellen des Artikels war allerdings von der preußischen Pünktlichkeit oder des deutschen Pedantismus einfach mal gar nichts zu spüren. Der Piefke-Bob wurde vom Ösi-Hasi mehrfach ermahnt, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte ...

Also schonmal ein Klischee, dass bei weitem nicht alle Deutschen erfüllen.

Doch will ich die detailierte Behandlung von Klischees und Vorurteilen, deren Ursprung und Wahrheit, den beiden Autoren Harald Schume und Katrin Wilkens überlassen. Beide Bücher sind gut recherchiert und beschreiben höchst unterhaltsam in 50 Kapiteln die Besonderheiten der österreichischen bzw. deutschen Mentalität ohne zu beschönigen oder zu verschleiern.

Besonders das Buch über Österreich ist herzlich und mit einem Augenzwinkern geschrieben und wirklich kurzweilig zu lesen – mehrfach wurde ich in der U-Bahn schief angeschaut, weil ich ob der humorvollen Formulierungen laut loslachen musste.

Am besten mal reinlesen und sich für den anstehenden Urlaub bzw. das nächste Gespräch mit den Eingeborenen mit Basiswissen wappnen. Vielleicht ist das Buch ja auch eine gute Geschenksidee für Freunde und Familie, den passionierten Österreich-Urlauber oder den österreichischen Kollegen?

Es wird wohl immer kleine oder große Differenzen zwischen unterschiedlichen Völkergruppen gehen. Doch dazu muss man nicht unbedingt aus einem anderen Land kommen. Selbst hierfür ist der Piefke-Bob ein gutes Beispiel. Gilt doch er als Oberpfälzer selbst im eigenen Land als sonderbar und sein Dialekt als höchst speziell bis unverständlich. Da tu ich mir ob meiner steirischen Wurzeln z.T. leichter, ihn zu verstehen, als so mancher seiner Landsmänner ...

Mit den folgenden Zeilen will ich versuchen, einen – mehr oder weniger ernst gemeinten – Vergleich zu erstellen zwischen meinem Geburtsland Österreich und meiner Wahlheimat Deutschland. Denn obwohl ich nach 11 Jahren Deutschland längst mein Zuhause nenne und die Menschen und Erfahrungen hier mich sehr bereichtert haben – in meiner Brust schlägt ein rot-weiß-rotes Herz und ich will hiermit eine Lanze brechen für mein Heimatland und seine Menschen ...

Jenes kleine Land inmitten von Bergen uns Seen, jenes Land, in dem sich seit Jahrhunderten die unterschiedlichsten Kulturen und Einflüsse mischen, und das nach Meinung von vielen nach einer großen Vergangenheit in vielerlei Hinsicht in Bedeutungslosigkeit versinkt. Das schmerzt der Ösi-Seele und genau deshalb spielen mitunter auch unsere deutschen Nachbarn und Gäste dieses Argument in jeder Diskussion als Trumpf aus. Doch SO unbedeutend, wie es vielleicht den Anschein hat, ist das Land der „Schluchtenscheißer“ gar nicht ...

Neben vielen bedeutsamen Erfindungen wie z.B. der Schiffsschraube, der Nähmaschine, oder auch der Schreibmaschine (wenngleich all diese Erfindungen zunächst ohne wirtschaftlichen Erfolg blieben) zählt auch das elektrische Kraftrad zu den Errungenschaften des kleinen Landes. Und spätestens mit dem Bau der Pferdeeisenbahn und der Semmeringbahn sicherte sich Österreich eine Vorreiterstellung im Eisenbahnbau. Und – glaubt es oder nicht – die Urform des Porsche-Wagens entstand nach dem 1. Weltkrieg in Gmünd (Kärnten).

Und während Deutschland mit Goethe, Schiller, Tucholsky, Karl Valentin und Hermann Hesse einige der größten Dichter und Dramatiker der Welt seine Söhne nennt, gilt es auf österreichischer Seite Namen wie Hugo von Hoffmannsthal, Rainer Maria Rilke, Johann Nestroy oder auch Ernst Jandl, H.C. Artmann und Wolf Haas zu erwähnen.

Auch im Bereich Musiker und Komponisten würde ich die Liste mit z.B. Beethoven, J.S. Bach, Brahms und Wagner auf deutscher und Johann Strauß, W.A. Mozart, Haydn, Liszt und Schubert auf österreichischer Seite als ziemlich ausgewogen sehen.

Wendet man sich der neueren Zeit zu, so dürfen Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Georg Danzer, STS, Ostbahn Kurti, die Erste Allgemeine Verunsicherung und natürlich der großartige Falco keinesfalls ungenannt bleiben. Schämen muss man sich freilich für das Grauen in Bild und Ton – ein Mann aus Tirol, der sich selbst DJ Ötzi nennt und mit fragwürdigen Texten über Fastfood jeglicher Art die Apres-Ski-Hütten beschallt (und noch dazu nen Batzen Kohle scheffelt, weil irgendwer das Zeug tatsächlich für kaufwürdig hält!).

Dem gegenüber stehen auf deutscher Seite Seltsamkeiten wie Guildo Horn, Ralf Siegel, Wolfgang Petri oder die Wildecker Herzbuben. Noch schrecklicher, weil sich selbst ernsthaft Musiker nennend, erscheinen mir allerdings Barden wie Udo Lindenberg, Nena oder gar Bushido.

Respekt zollen oder gar meinen Hut ziehen will ich an dieser Stelle aber auch vor aktuellen Poeten und Musikern a la Wir sind Helden, Element of Crime, Fettes Brot, Deichkind, Dendemann, Jan Eisfeldt, die Ärzte, usw. Hier alle zu nennen würde wahrlich den Rahmen sprengen.

Gute Beispiele für österreichisch/deutsche Zusammenarbeit auf diesem Gebiet fallen mir leider nur wenige ein. DÖF aus den 80ern (und ich düse düse düse düse im Sauseschritt) mal ausgenommen.

Zu erwähnen sein – so will es u.a. mein Co-Autor – auch noch diverse Persönlichkeiten aus dem Bereich Sport und hierbei vor allem Fußball. Deutschland weist mit Größen wie Boris Becker, Michael Schumacher, Franz Beckenbauer, Günther Netzer, Oli Kahn und Gerd Müller eine stattliche Riege an erfolgreichen Sportlern auf, wenngleich sich so mancher abseits des Spielfelds ganz schön zum Horst – ähm ... ich mein natürlich zum Loddar – macht.

Österreichs Glanzzeiten in Sachen Tennis, Formel 1 oder Fußball sind im Gehensatz beinah vergessen. Und doch klingen Namen wie Thomas Muster, Niki Lauda, Hans Krankl, Toni Polster oder Herbert Prohaska noch nach und erinnern – welch Schmerz in der deutschen Fußballbrust – z.B. an die Schmach von Cordoba 1978.

Einzig und allein beim Skifahren macht uns keiner so schnell was vor und hier kann man die Liste nach Annemarie Moser-Pröll, Toni Sailer, Karl Schranz und Franz Klammer bis in die heutige Zeit fortführen mit Namen wie Renate Götschl, Armin Assinger, Stefan Eberhartinger, Hermann Maier oder Benjamin Raich.

Humormäßig geht – meiner Meinung nach – die Schere zwischen den Ösis und den Piefke (Link: http://www.zeit.de/2007/35/Piefke-Invasion) am weitesten auseinander. Selbstverständlich haben die Deutschen mit Loriot und Karl Valentin zwei herausragende Aushängeschilder, doch fragt man sich wirklich, ob dies das selbe Volk ist, das auch über Didi Hallervorden, Otto, Ingo Appelt oder Michael Mittermayer lacht.

Aber auch die Österreicher haben ihren eigenen Humor. Soviel steht fest. Den mag man oder man mag ihn nicht. Nicht selten seh ich in fragende Gesichter, wenn ich mich inmitten meiner deutschen Freunde über einen Witz aus dem Mund eines Ösis beömmel.

Als Beispiele für österreichischen Humor der Deluxe-Klasse führe ich hier zu allererst meinen erkärten Helden seit meiner Jugend - Josef Hader - an. Zu erwähnen gilt es allerdings auch: Alfred Dorfer, Alf Poier, Roland Düringer oder auch – als Beispiel dafür, dass Ösis und Deutsche durchaus auch humormäßig harmonieren können - das großartige Duo Stermann und Grissemann. Kenner der Szene der 80er und 90er werden sich evtl. auch noch an die Hektiker, Alexander Bisenz oder auch TV-Formate wie „Tohuwabohu“ oder „Monte Video“ erinnern, in dem die Ösis sich – auch viele andere, aber vor allem sich selbst – ordentlich auf die Schippe nehmen.

Was für mich den gravierensten Unterschied darstellt: Während die Österreicher durchaus in der Lage sind, über ihre eigenen Schwächen und Macken zu lachen, findet der Deutsche gemeinhin Witze auf seine eigenen Kosten weniger komisch. Da wird weitaus lieber mit dem Finger auf andere gezeigt.

Was im Zuge meiner Recherchen wohl am öftesten als Argument für eine Reise nach Österreich und/oder das Wohlwollen der deutschen Bürger genannt wurde: Das leckere Essen und der gute Wein in Österreich.

Doch bevor ich mich nun den kulinarischen Vorzügen meines kleinen und feinen Heimatlandes zuwende, bleiben noch die jeweils bekanntesten Export-Perönlichkeiten zu benennen: Wir haben hier z.B. unseren Gouvernator Arnold Schwarzenegger vorzuweisen. Und Deutschland ist Papst.

Gerne hätte ich hier als humorvollen Vergleich Ötzi und Johannes Heesters gegenüber gestellt. Doch leider hinkt dieser Vergleich, da Ötzi inzwischen offiziell Italiener und Jopi eigentlich Holländer ist.

Was das leibliche Wohl angeht, so ist Österreich ein wahres Paradies. Es gibt unzählige Spezialitäten - je nach Bundesland oder Tal verschieden. Hier alle Leckereien aufzuzählen wäre uferlos.

Doch ich will es mir nicht nehmen lassen, einige meiner Lieblingsspeisen zu nennen. Von der Fritatten- und der Kaspressknödl-Suppe, über den Tafelspitz mit Semmelkren, die Kärntner Kasnudeln, dem Vogerlsalat mit steirischem Kürbiskernöl – mit dem übrigens auch die Käferbohnen und das saure Rindfleisch ausgezeichnen schmeckt – bis hin zu süßen Versuchungen a la Marillenknödel oder Strauben mit Marmelade ... Für diese Gerichte aus meiner Heimat lass ich so manchen Gourmet-Teller stehen. Den Magen schließen der Tiroler Graukas oder auch der Pinzgauer Bierkäse – aber auch beim Käse wäre eine Liste einfach viiiiiiiel zu lang. Wenngleich auch Deutschland beim Export noch die Nase vorn hat – an Qualität und Beliebtheit hält der österreichische Käse längst mit.

Wer mal Lust auf eine kulinarische Reise der besonderen Art hat, dem empfehle ich an dieser Stelle einen Ausflug in die schöne Wachau oder auch ins Grazer Umland und die steirische Weinstraße. Ausprobieren und hier Eure Meinung posten!

Der langen Rede kurzer Schluss: Es ist ein schönes Land – wenn auch ein kleines. Es hat viele Besonderheiten zu bieten und einen einzigartigen Humor. Die Menschen sind freundlich und herzlich und wenn sie es nicht sind, dann liegt das nicht daran, dass sie Ösis und Ihr Deutsche seid, sondern allein an der Tatsache, dass sie auch nur Menschen sind. Und von Menschen gibt es wohl überall auf der Welt solche und solche ...

Ihr alle seid herzlich eingeladen, hier auf curt.de Eure Meinung zum Thema Austria vs. Germany kundzutun. Was erscheint Euch besonders? Was ärgert und was freut Euch? Was darf auf keinen Fall ungenannt bleiben als typisch deutsch bzw. typisch österreichisch? Wir sind gespannt auf Eure Berichte!


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"50 einfache Dinge, die Sie über Österreich und die Österreicher wissen
sollten"


227 Seiten, broschiert
Westend Verlag, Frankfurt am Main
EUR 14,95 / SFR 26,90




TEXT: PETRA ÖSI-HASI

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Kommentare (12)

ILSEBILSE | 07.01.2010 | 18:31
nur so ein paar gründe warums praktischer is ösi als deutscher zu sein:

auf fernreisen hat keiner vorurteile gegen dich, weil noch nie jemand etwas von dem land gehört hat, aus dem du kommst.

du musst dich bei der fußball WM nicht ärgern weil die nationalmannschaft es sowieso nie weiter als bis zur vorausscheidung schafft.

du bist in einem land, dass so klein ist, dass die wahrscheinlichkeit, dass es von einem meteoriten getroffen wird, ziemlich gering ist.

die holländer fahren mit ihren wohnwagen höchstens 300 km durch dein land.

du musst nicht zwischen westerwelle, merkel und steinmaier wählen.

MEL | 26.05.2009 | 16:25
Bei den Ösis gibt es diese wunderbaren Platten mit österreischischen Käsevariationen ...

... Chaumes, Gorgonzola, Camenbert .... Hmm ...

CALIPPO | 24.05.2009 | 19:37
Na gut ich probiers mal:

Die Wiener sind heiß, wie heiße Wiener!

MONACOBUNNY | 22.05.2009 | 22:12
Da muss ich das Ösi-Hasi ein bisserl in Schutz nehmen:

Zum einen sind die Krocha (mal abgesehen von ihrem Unterhaltungswert) lediglich eine Erscheinung dieser Zeit bzw. verwirrte bis gelangweilte Teenager, die das tanzen im Quadrat neu entdeckt und aufgepeppt haben und ansonsten nimmer so recht wissen, mit welchem Finger in A... Wenn man solche jugendliche Subkulturen auch berücksichtigen wollte, dann hätte man über alle Checker, Breaker, Skins, Mods, Emos ... auch schreiben müssen.

Fix Oida! ;)

EVABR | 22.05.2009 | 19:52
Och, und ich dachte es fließt Blut ...

Naja, dann sag ich nur noch Red Bull. ;-)

BEERISFOOD | 22.05.2009 | 17:45
Die Krocha sind auch aus Österreich! Über die verliert unser Ösihasi kein Wort! Bam oida!

MONACOBUNNY | 22.05.2009 | 14:52
Doch mit diesem Comment ist auch erwiesen: Hügli konserviert! :)

MONACOBUNNY | 22.05.2009 | 14:42
Hm. Da is der Italian Stallion scheinbar recht betagt, wenn er noch Erinnerungen ans Jahr 1756 hat. Ich weiß, es ist schwer zu glauben und tut weh, doch Mozart's Geburtstort sowie seine Wirkungsstätte Wien lagen damals im Hoheitsgebiet Österreich und tun es auch heute noch. Wenn wir so anfangen müssten wir auch Kafka zu den Ösis zählen - schließlich lag Prag zu Zeiten seiner Geburt noch in der österr.-ungarischen Monarchie ...

THE_KING_IN_YELLOW | 22.05.2009 | 14:23
Wie immer werden die Österreicher unterschätzt, derweil sind sie doch ihrer Zeit zumeist weit vorraus – z.B. bei der Wiedervereinigung. Da hams die Deutschen auch um 52 Jahre geschlagen.

ITALIANSTALLION | 22.05.2009 | 14:06
Hmmm. soweit ich mich erinnern kann ist Mozart Bayer.
Und über Didi Hallervorden und Otto kann ich schon noch lachen. Aber das Essen ist wirklich ne Wucht im südlichen Nachbarland. Ich sag nur Hügli ... Mmmmmmhhh

AUT191 | 22.05.2009 | 13:38
und das mit dem Klauen kommt ausgerechnet (nehm ich mal an) von einem Piefke wo Ihr doch so stolz zu UNSERER Kaiserhymne Euren Nationalstolz Ausdruck geben wollt ... tza!

bzgl Kaffee und Hörnchenklau sowie Schnitzl möcht ich auch noch bemerken dass wir dies einfach besser vermarket haben ;-))

BEERISFOOD | 22.05.2009 | 13:17
ich habe nicht gewusst dass man über ein so unbedeutendes Land wie Österreich 3433 Wörter schreiben kann....

Außerdem haben die Össis alles geklaut:
Kaffee, Hörnchen, Schnitzel http://derstandard.at/?url=/?id=2631380% 26sap=2%26_pid=5460293, Mozart



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