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# 59 |
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Donnerstag, 5. März 2009 |
VORWORT
Normalerweise ist der Frühling die Zeit des Erblühens und Erwachens. Man schüttelt sich die Schwere des wie immer zu langen Winters aus den Gliedern und erwartet die ersten warmen Tage so freudig wie den Besuch von alten Freunden. Normalerweise.
Aber jetzt ist Krise. Und deswegen dauert der gefühlte Winter noch eine Weile. Ich will nicht schwarzsehen, aber mindestens bis 2010. Wenn wir Glück haben. Und bis dahin sieht es verdammt mies aus.
Banken versinken schneller, als ihre Topmanager beim Sprung aus der Chefetage vom 25sten Stock bis auf den Asphalt brauchen, Finanzmärkte brechen
zusammen, die Wirtschaft liegt am Boden. Weltweit. Die Autobranche benötigt Verkaufshilfen von der Regierung, die Textilbranche schrumpft und der gesamte Mittelstand hat Zukunftsangst. Verlage machen pleite, Zeitschriften werden eingestampft, Fernsehsendern wird der Stecker gezogen, die Werbung kämpft um die kargen Mittel ihrer Kunden, man hat den Eindruck, die gesamte Medienwelt liege im Sterben.
Man kann es nicht schönreden, es herrscht – mit einem Wort – Endzeitstimmung.
Bei curt war es bisher eigentlich eher unüblich, wie in normalen Magazinen an dieser Stelle über den Inhalt zu sprechen. Aber ich will diesmal eine Ausnahme machen. Aus gutem Grund, denn die aktuelle Ausgabe ist keine gewöhnliche. Dieses curt ist ein Abschiedsheft. Ihr werdet in ihm Geschichten und Bilder finden über Kälte, über Tod und über Trauer. Geschichten übers Dichtmachen und vielleicht auch über Hoffnung.
Themen, die dem derzeitigen Klima entsprechen und die irgendwie auch das Ende einer Ära illustrieren. Wie gesagt, ein richtiges Abschiedsheft. Und mal ehrlich, wann sollte man denn seinen Hut nehmen, wenn nicht in Zeiten, in denen alle hinschmeißen? Und wer wäre besser dazu geeignet, euch darüber zu berichten, als wir? Wo wir immer schon unterwegs waren, wenn andere noch pennen; immer schon gegen den Strom geschwommen sind, wenn die anderen sich haben treiben lassen.
Und die Krise?, fragt ihr. Ganz ehrlich, die kann uns mal. Oder dachtet ihr etwa, wir geben jetzt auch auf? Das überlassen wir gerne den Heulsusen, die nerven doch eh nur. Wir gehen lieber schon mal los. Und wenn ihr uns sucht, wir sind die, die vorne sind. Noch Fragen?
Euer Thomas
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