Viele von uns haben ein Problem: Alkohol. In der heutigen Gesellschaft – die es, geschwängert vom allgemeinen Gesundheitswahn (Yoga, Biomarkt, Smoothie) in immer fetteren SUVs in immer größere McFits oder Basics treibt – ist Saufen zu einer stigmatisierten Beschäftigung geworden. Einzig allein die immerzu aufbegehrende Jugend kämpft unverdrossen gegen solche Zwänge an – aber seinen wir einmal ehrlich, Komasaufen an der Tankstelle, dafür ist man doch irgendwie zu alt.
So quält man sich denn im Mittelalter des Lebens dahin, zu jung für Fernet-Branca aus Opi’s Vermächtnis und zu alt für Vodka-Limo aus der 0,33 ltr. Flasche – den Geschmack des Alkohols schon lange als guten Freund kennend … doch innerlich seltsam leer. Man mag dann verschiedenes tun um Charybdis und Scylla hinter sich zu lassen: Harte Drogen nehmen – wovon wir größtenteils abraten – oder ein Getränk finden dass ein fortgeschrittenes Bedürfnis nach gutem Alkohol stimuliert und einen sowohl vom grölenden Jungsäufern als auch von anderen dem Trinken einen schlechten Namen gebenden Gesellschaftsschichten abzuheben – dem Whisky. Keine andere Spirituose vermittelt dieses Gefühl von “edel, gediegen, hochprozentig” wie der Whisky – oder besser gesagt, der Single Malt.
Wie diverse andere Alkoholika (Akvavit, eaue de vie) heißt Whisky auch nichts anderes als “Wasser des Lebens” – uisge-beatha (Scots Gaelic), bzw. uisce beatha (Irish), beides Gaelische Abwandlungen vom Lateinischen Aqua Vitae – somit trifft der Name eigentlich auch den schon gescholtenen Zeitgeist der Health- & Fitness-Bewegungen. Aber was ist das, Whisky – und erst Whiskey? Und was ist bitte blendet, vatted malt oder single malt, cask strength, Scotch, Bourbon, Rye oder Racke Rauchzart?
Hier zeigt sich gleich warum Whisky viele Liebhaber hat: Er trifft genau den männlichen Sammeldrang, allein schon durch seine Vielfalt – schließlich würde sich auch niemand an Briefmarken, Münzen oder Nazi-Orden erfreuen, wenn diese alle gleich aussehen würden.
Um’s kurz zu machen, mir geht es um Single Malts – die Königsklasse der Whiskies und Whiskeys (letzteres ist die Irische und Amerikanische Schreibweise, die Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde um sich vom Schottischen Whisky von "niederer” Qualität abzugrenzen).
Blended und vatted malts sind Gemische verschiedener Whiskies – und wenngleich auch manche nicht schlecht sind erreichen sie nicht die geschmacklichen Höhen von Single Malt (ausserhalb von Scotland auch als “Scotch” bekannt). Cask strength Whiskies sind mitunter die besten und teuersten Single Malts – diese sind nicht mit Wasser gemischt um den Alkoholgehalt unter 40% zu drücken, der geneigte Trinker kann dies selbst tun. Bourbon und Rye Whiskey sind Amerikanische Erfindungen, gut für Longdrinks und ähnliches Gemisch, ansonsten vernachlässigbar bis grausam (Jack Daniels). Und Racke Rauchzart ist eines jener Verbrechen gegen die Menschlichkeit die bisher ungesühnt davongekommen sind. Aber nun zum Single Malt.
Um mein persönliches Lieblings-Entfrischungsgetränkt zu studieren und zu preisen schwang ich mich dann auch nebst Fotograph auf das Munich Whiskey & Bar Festival auf der Praterinsel zu besuchen und ein kurzes Palaver mit Helmut Knöpfle, dem Organisator des ganzen, zu führen.
Ihm zufolge begann der Whisky seinen Siegeszug in unseren Deutschen Landen erst in den 90er Jahren – Whisky selbst wurde Ende des 15. Jahrhunderts in Irland und Schottland destilliert – in letzterem dann bis 1823 viel illegal, da die Steuern der Britischen Krone auf Whisky sehr hoch waren.
Heute wird Whisky in allen Ecken der Welt hergestellt – wobei viele dieser Länder dem ehemaligen British Empire angehörten wie z.B. Indien (wobei Indischer Whisky scheinbar anderswo eher als Rum durchgehen würde). Auch Japan und natürlich Kanada und die USA produzieren heute Whiskey – leider kein Single Malt, von einer Destillerie Nova Scotia mal abgesehen.
Hinsichtlich der in Rewe, Tengelmann, Aldi, Lidl und sonstigen Supermarktketten mit “menschlichem Antlitz” feilgebotenen Whiskies um 4,95 Euro – meint Helmut Knöpfle: „… wenn man Steuern und Material abzieht bleibt für den Inhalt gerade man 4 Cent – und ich glaube, da kann man keine Qualität erwarten.“
Und es ist ja nicht so als wäre der Markt an Büchern über Whisky nicht völlig überfüttert – diverse Schriftsteller und Journalisten packen Hundertschaften von Whiskies in dicke Wälzer und reden von Dingen wie “Nose, Palate, Finish, etc.”. Solche Qualitätsrichtlinien hatte man lange nur beim Wein, und wie auch dort ist diese Fachliteratur zwar mitunter interessant, den persönlichen Geschmack kann man aber kaum durchs lesen herausfinden – dazu muss man Whisky schon trinken.
Eine handvoll Whisky-Regionen sind in Schottland zu finden, und deren Wasser und sonstige Zutaten machen auch den jeweiligen Geschmack aus.
Viele Lowland Whiskies sind etwas sanfter, da sie dreifach destilliert werden; Speyside hat eine ungemeine Anhäufung an Whisky-Destillerien, was ein allgemeines Urteil schwierig macht; die Highland- und Island-Whiskies werden dann schon rauchiger im Geschmack, mit dem Gipfel des Geschmacks nach altem Leder, Torf und Rauch in Islay – eine Insel die alleine acht Whisky-Marken aufweist. Das ehemalige “Whisky Capital of the World” Campbeltown ist inzwischen etwas verwaist, macht aber auch gute Single Malts.
Aber wie gesagt, auf den Geschmack kommt man erst beim Trinken und so wird man als Whisky-Neuling ein wenig durchprobieren müssen, um schließlich bei “seiner” Marke anzukommen. Da sich dieses Getränk allerdings so vehement breit gemacht hat, finden sich in München diverse Bars die eine ausreichende Palette aufweisen (wie z.B. die Partner des Festivals unter Finest-spirits.de), und Whisky-Tastings gibt’s auch genügend wenn man sich ein bisschen umschaut.
Und schließlich, wenn man letztendlich ein genehmes Tröpfchen gefunden hat, ja dann kann man sich zurücklehnen und dieses Aroma von alten Lederstiefeln genießen, und sich genüsslich in jenen dem Whisky allein zugehörigen “Ohrensessel-Bequemlichkeits-Rausch” hingeben (wie gesagt, Unterschiede in den Geschmäckern machen’ aus – nicht jeder mag z.B. den Geschmack von alten, geräucherten Lederstiefeln oder frisch geteerten Schiffsplanken). Ein gemütliches Gefühl im Oberstübchen, ein wärmendes in der Magengegend und bisher unbekannte Aromen im Munde – Whisky is not a drink, it is an attitude!
Slàinte Mhath!
TEXT: Philipp Dahlmanns
THE_KING_IN_YELLOW | 04.03.2009 | 16:08 Herr Racke muss sterben; oder: der einsame Tod auf der Bahnhofstoilette. |
WEINBRANDT | 04.03.2009 | 11:59 Ich trinke vor dem Frühstück nie was Härteres als Whisky. |
ITALIANSTALLION | 04.03.2009 | 11:33 Hmmmmm ... alte Lederstiefel ....
Aber Racke Rauchzart wir total unterschätzt! |
WEINBRANDT | 03.03.2009 | 18:41 Ich habe jetzt total Bock auf ein Bier ... |
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